Grids werden öffentlich gefördert"In Europa existiert eine der weltweit leistungsstärksten Forschungsinfrastrukturen", sagt Wolfgang Boch, bei der Europäischen Kommission zuständig für Grid-Technologien. "Eine nahe Vision ist es, diese Netze für die Forschungs-Community als Grid zu verwirklichen, sodass neue Kollaborationen, beispielsweise zwischen den Life-Science-Bereichen und der Hochenergiephysik, entstehen." Mit 125 Mio. Euro fördert die Europäische Union ab Herbst im Projekt NextGRID die Entwicklung solcher Techniken. Auch das Bundesforschungsministerium (BMBF) will in den kommenden fünf Jahren 100 Mio. Euro für die Förderung von speziellen IT-Projekten und für ein deutsches D-GRID bereitstellen.
"Das Grid stammt zwar aus der Wissenschaft", sagt Boch. "Doch wir fragen uns, wie man diese Technologien weiterentwickeln kann, damit sie die Anforderungen der Industrie- und Geschäftswelt erfüllen. Wir müssen deshalb jetzt geeignete Technologien entwickeln." Die Anwendungsfelder des Grid-Computing reichen von der Pharma- und Automobilindustrie, Meteorologie sowie Luft- und Raumfahrt bis hin zu den rechenintensiven Aufgaben des Risikomanagements von Finanzdienstleistern. Ob die Analyse seismischer Daten beim Erkunden neuer Erdölfelder oder das Berechnen virtueller Crashtests der Autoentwickler - die Entwickler müssen die bestehende Rechenkapazität optimal verwalten. Und sie müssen erreichen, dass verschiedene Rechnersysteme miteinander kommunizieren und gemeinsam nutzbare Datenformate austauschen.
Doch wie im Internet das HTML-Protokoll Standards setzte, müssen auch im Grid-Netz und Wide Area Network dazu die Voraussetzungen erst mühsam geschaffen werden. Es fehlt noch an zuverlässigen und allgemein gültigen Festlegungen, mit denen verschiedene IT-Systeme sicher und datengeschützt arbeiten können. "Bei der Standardisierung sind wir am Scheideweg", sagt Boch. Die Industrie zeige Interesse an der Diskussion, und in den Standardisierungsgremien wie dem Global Grid Forum entstehe bereits jetzt das Fundament für die Software, die das Zusammenspiel am Laufen hält. "Wir sehen, dass sich Web-Services der Unternehmen und Grid-Technologien aus der Wissenschaft aneinander annähern."
An einer Kooperation mit den Hochleistungsnetzen sind alle großen Unternehmen wie NEC, IBM und Microsoft interessiert, denn diese Zusammenarbeit erspart ihnen gewaltige Investitionskosten in IT-Infrastrukturen. Und es ermöglicht ihnen Zugang zu zukünftigen Geschäftsfeldern. Denn wie beim elektrischen Stromnetz soll das Grid eines Tages jedem zur Verfügung stehen, und wie der Stromstecker soll - statt eines Computers - ein simples Interface den Zugang zum weltweiten Rechnernetz ermöglichen. "Grids for Kids", ein kinderleichter Umgang mit der globalen Rechenpower also lautet das Motto der Entwickler.