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Merken   Drucken   14.10.2011, 13:06 Schriftgröße: AAA

Wozniak in der iPhone-Schlange: Apple-Werbung für Arme

Kommentar Mitbegründer Steve Wozniak campiert vor einem Apple-Laden, um den Verkaufsstart des neuen iPhone nicht zu verpassen. Ein guter Werbefachmann ist er nicht. Die Aktion ist ziemlich schräg. von Annette Berger 
Sicher ist Steve Wozniak ein guter IT-Experte - aber alles andere als ein Werbefachmann. Der Mann, der zusammen mit Steve Jobs einst Apple  gründete, aber Jahrzehnte lieber im Hintergrund blieb, sollte sich auch jetzt zurückhalten. Oder zumindest nicht solche albernen Werbefeldzüge veranstalten, wie in der Nacht zu Freitag.
Schlaflos vor dem Apple-Store: Steve Wozniak (hier ein Archivbild)   Schlaflos vor dem Apple-Store: Steve Wozniak (hier ein Archivbild)
Seine kleine Kampagne startete der 61-Jährige schon am Donnerstag um 2 Uhr nachmittags Ortzeit. Mit fünf anderen Apple-Fans reihte er sich in eine Schlange ein, um Freitagfrüh beim Verkaufsstart des neuen iPhone 4S ganz vorn dabei zu sein. Er wolle über Nacht vor dem Apple-Store bleiben, sagte er einem TV-Sender - obwohl er schon zwei Telefone bestellt habe. Seine Wartezeit wollte er nutzen, um E-Mails zu schreiben und mit Fans zu chatten.
Kursinformationen und Charts
  Apple 447,135 EUR  [-4.811 -1,06%
Einer der wichtigsten IT-Experten der USA schlägt sich also eine Nacht vor einem Shop um die Ohren, um ein Gerät zu ergattern, das er ohnehin bekommt. Originell ist das nicht - sondern schräg.
Es wirkt unangemessen für einen wie Wozniak - immerhin einer der berühmtesten Köpfe von Apple, der offiziell noch immer ein Mitarbeiter ist und zu allen wichtigen Veranstaltung des kalifornischen IT-Konzerns eingeladen wird.
Wieso harrt er über Stunden in einer Schlange aus? Will er signalisieren, dass er sich selbst bemühen muss, um an das neue Apple-Telefon zu kommen? Man stelle sich Ferdinand Piëch im Gewühl eines Ruhrgebiets-Autohändlers vor - voller Vorfreude auf den neuen VW-Golf.
Eine Form der Trauer?
Vielleicht will Wozniak seiner Trauer um Jobs Ausdruck verleihen, der in der vergangenen Woche starb. Viele der Tausenden Apple-Fans, die am Freitag rund um den Globus beim Verkaufsstart dabei waren, gaben an, auch im Gedenken an Jobs gekommen zu sein. Und viele sind der Meinung, dass der Name des Handys 4S für "for Steve" steht.
Vielleicht schlägt sich Wozniak also "für Steve" die Nacht um die Ohren. Aber dann sollte er sein Motiv auch nennen. Es kann auch sein, dass Wozniak unterstreichen will, wie groß der Hype um das Gerät ist, das bei seiner Präsentation in der vergangenen Woche ja nicht so gut weg kam.
Werben konnte Steve Jobs eindeutig besser   Werben konnte Steve Jobs eindeutig besser
Es ist schwer vorstellbar, dass Apple glücklich ist über die kleine Showeinlage. Sie wirkt so seltsam daneben, weil sich ihr Sinn nicht erschließt. Und sie mutet wie ein schlechter Abklatsch der genialen Werbestrategie von Jobs an - eben weil es nicht besonders einfallsreich ist, stundenlang vor einem Laden auszuharren.
Jobs dagegen arbeitete mit einer geradezu zur Schau getragenen Geheimhaltung, Untertreibungen und dem Streuen von Gerüchten - bis Öffentlichkeit und Medien so sehr im Jagdfieber nach Neuigkeiten aus dem Hause Apple waren, dass sie Jobs aus der Hand fraßen.
Vielleicht ist es auch für Medien an der Zeit, sich einmal zu fragen, ob sie jede Apple-Meldung aufgreifen müssen. Zum Beispiel die, dass Mitgründer Wozniak vor einem Laden campiert.
00:28:35 Kursinformationen und Charts
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  • FTD.de, 14.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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