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Merken   Drucken   21.04.2005, 22:45 Schriftgröße: AAA

Agenda: Auf Friedensmission

Mathias Döpfner will mit der Übernahme von Pro Sieben Sat 1 das einflussreichste Medienunternehmen Deutschlands schaffen. Doch der Springer-Chef tut alles, um den Eindruck zu vermeiden, es ginge ihm um Macht. von Lutz Meier, Berlin
Mathias Döpfner, der Vorstandschef von Axel Springer   Mathias Döpfner, der Vorstandschef von Axel Springer
Sie kommen in Frieden. Sie tun doch nichts. Wenn Mathias Döpfner und seine Berater in den vergangenen Wochen an ihren großen Fernsehplänen arbeiteten, bemühten sie sich nach innen wie nach außen um Zurückhaltung: "Besonders lebhaft, kreativ und widersprüchlich" seien sie ja jetzt, "die Spekulationen der Medien", hob Döpfner am Mittwoch vor seinen Aktionären an. Als seien dem früheren Journalisten Medien und deren Funktionsweise völlig fremd.
Dann sprach er über die Perspektiven im TV-Geschäft, so dass jeder verstand: Döpfner glaubt an diese. Genauso gut könnte aber der Konzernchef in einigen Monaten auch auf seine vorsichtigen Äußerungen verweisen, wenn aus seinem wichtigsten Projekt nichts wird: Aus der Übernahme der Kontrolle beim TV-Konzern Pro Sieben Sat 1, der Erschaffung eines neuen Medienkonglomerats, das über die wichtigste Zeitung Deutschlands ("Bild") ebenso gebietet wie über einige der wichtigsten Sender, nämlich Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24.
Geheimplan "Projekt Shalom"
Döpfner hat gute Gründe zur Vorsicht: Großspurige Ankündigungen rächen sich, das hat er gelernt, als er 2002 als Springer-Vorstand antrat und zu euphorisch über Pläne im Internet gesprochen hatte, aus denen nie viel wurde. Zudem weiß er, dass er sich auf einem Minenfeld bewegt: Niemand in Deutschland weckt traditionell die Angst vor zu großem medialen Einfluss wie Springer. Jede Aggressivität, jeden Eifer will Döpfner nun meiden. "Projekt Shalom" haben er und seine Berater den Geheimplan vor Monaten getauft, als sie darangingen, diesen ernsthaft voranzutreiben.
Soll heißen: Springer geht ohne böse Medienmachtsfantasien an die Sache. Springer hat beste Absichten, auch gegenüber dem in Israel aufgewachsenen Haim Saban, der die Verkaufsverhandlungen führen muss, weil seine Partner aus der Finanzbranche ihre Anteile an dem Senderkonglomerat verkaufen wollen. Seit sich Saban am Mittwoch aus einer Halteklausel herauskaufte, hat er dafür freie Hand. Und es heißt: Springer handelt im Einklang mit den traditionellen Firmenwerten des Konzerngründers Axel Cäsar Springer, für den die Beziehungen zu Israel immer eine große Rolle spielten.
Springer verlor gegen Kirch
Bis in die Tage Springers gehen die Ängste vor der Macht des Konzerns zurück, der jeden Tag mit der "Bild"-Zeitung demonstriert, dass er die politische Agenda zu beherrschen sucht. "Enteignet Springer" war der Schlachtruf der 68er, nachdem der Verlag in den 60er Jahren seine Pressemacht ausgebaut hatte und die Bewegung bekämpfte. Jahre später hat Kanzler Gerhard Schröder am Wahlabend 2002 über den immensen Einfluss der Springer-Blätter geklagt, die ihn nach seiner Wahrnehmung aus dem Amt schreiben wollten. Diesen Konzern, drohte der Wahlsieger heiter in die Kameras, dürfe man jetzt nicht auch noch ins Fernsehen einsteigen lassen.
Bis in die Tage Axel Cäsar Springers gehen auch die TV-Ambitionen des Konzerns zurück. Als Anfang der 80er Jahre Sat 1 gegründet wurde, war Springer dabei - doch Leo Kirch war listiger. In den 90er Jahren lieferten sich Springer und Kirch einen erbitterten Kampf um die Macht bei dem aufstrebenden Privatsender. Springer verlor.
Gleichzeitig versuchte Kirch immer wieder, Springer und sein TV-Reich unter ein Dach zu bringen. Kirch, der Unterstützer und Geldgeber von Bundeskanzler Helmut Kohl, handelte mit einer Agenda: Er träumte von der konservativen, politisch-medialen Macht - von dem, was die 68er dereinst befürchtet hatten. Nach Kirchs Pleite sah Springer wieder eine Chance: Mit Partnern wollte der frisch gebackene Vorstandschef Döpfner Pro Sieben Sat 1 übernehmen. Doch der damals defizitäre Verlag musste das Konsortium verlassen - die Finanzierung war zu riskant.

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  • Aus der FTD vom 22.04.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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