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18.12.2007, 22:02
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Der Angriff der Kabelbetreiber
Deutschlands Kabelbetreiber sind seit Jahren fest in der Hand von Finanzinvestoren. Mit einem Marketingfeuerwerk, Rabattaktionen und Übernahmen wollen sie jetzt massiv ins Geschäft der Telefonkonzerne einbrechen. Es ist ihre letzte Chance.
von Astrid Maier (Hamburg)
Kabel Baden-Württemberg schickt Boxweltmeisterin Regina Halmich in den Ring. Überlebensgroß blickt die Sportlerin aus Karlsruhe von Werbeplakaten aus auf ihre Heimatstadt, die Boxhandschuhe hat sie abgelegt, die Hände bandagiert. Der Konkurrent Kabel Deutschland (KDG) kontert dies mit aggressiven Boni: Einkaufsgutscheine für 75 Euro, einzulösen im Media Markt bei Abschluss eines entsprechenden KDG-Vertrags, haben fahrende Verkäufer derzeit vor den Filialen des Elektrogroßhändlers in ganz Hamburg im Angebot. Und im Fernsehen kommen die Zuschauer von Bremen bis Düsseldorf in diesen Tagen ohnehin nicht an den Werbespots der Kabelnetzbetreiber vorbei. Der Kampf geht in die entscheidende Runde.
Viel Geld für Marketing: Kabel Deutschland
Die Branche hat die Offensive bitter nötig. Sechs Jahre nach dem Verkauf des Kabelnetzes der
Deutschen Telekom an Private-Equity-Investoren konnten die Besitzer bisher immer nur neidisch nach Großbritannien, in die Niederlande oder die USA schauen. Dort sind die Kabelkonzerne mit ihren Angeboten aus Telefonie, Internet und TV zu mächtigen Konkurrenten der klassischen Telekomkonzerne geworden und können Zahlen präsentieren, von denen die deutschen Anbieter träumen.
Doch nun setzt die Branche zum Befreiungsschlag an. Marktführer KDG sowie die Konkurrenten Unity Media und Kabel Baden-Württemberg (KBW) nehmen viel Geld für Investitionen in die Hand und planen große Übernahmen. So wollen sie endlich auch ans lukrative Internetgeschäft rankommen, und sie müssen die Telekomkonzerne zurückdrängen, die anfangen, in ihrem Revier zu wildern. Lässt das Kartellamt sie gewähren, wird am Ende des Jahres 2008 nichts mehr sein, wie es mal war.
Es ist höchste Zeit für eine Wende. Auch wenn sie sich im klassischen TV-Geschäft etabliert haben, so hinken die Unternehmen in den lukrativen Geschäftsfeldern arg hinterher. Die Zuwachsraten sind gut, aber in absoluten Zahlen können sie mit ihren neuen Angeboten aus digitalem TV-Anschluss, Internetzugang und Telefonie kaum imponieren.
Fünf Millionen TV-Kunden hat zum Beispiel Konkurrent Unity Media - aber nur 236.000, die auch über das Kabel im Internet surfen. Und nur 134.000 Nutzer telefonieren über das Unity-Angebot. Hinzu kommt, dass die Kabelkonzerne Kunden aus ihrem Stammgeschäft mit TV-Anschlüssen verlieren - an das Internet-TV der Telekomanbieter.
Von Anfang an ist die Kabelbranche durch ihre verpassten und verpatzten Chancen aufgefallen. Groß war die Euphorie bei der Privatisierung, der Medienkonzern Liberty Media wollte sich das gesamte Kabelnetz der Deutschen Telekom einverleiben nach dem Muster der Kabelnetzwerkanbieter in den USA mit Millionen direkter Kundenanschlüsse. Aber die Kartellwächter in Bonn verhinderten dies. Private-Equity-Investoren haben darauf ihre Chance genutzt und sich die Netze regional aufgeteilt.
Seitdem ist die Branche wohl die einzige in Deutschland, die komplett in der Hand von Finanzinvestoren ist: Marktführer KDG gehört dem Investor Providence, Kabel Baden-Württemberg (KBW)
EQT aus Schweden und das in Hessen und Nordrhein-Westfalen agierende Unternehmen Unity Media den Investoren BC Partners und Apollo. Auch kleinere Anbieter wie Orion gehören in das Portfolio von Finanzinvestoren.
Teil 2: Übernahmen geplant
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Aus der FTD vom 19.12.2007
© 2007 Financial Times Deutschland,
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