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Merken   Drucken   11.03.2007, 20:01 Schriftgröße: AAA

Agenda: Der Siegeszug der deutschen Startups

Bislang dominierten im Internet weltweit Angebote aus Amerika. Die neue Gründerwelle unter dem Schlagwort Web 2.0 könnte dies ändern. Deutsche Startups hängen zum ersten Mal ihre US-Vorbilder ab. von Arndt Ohler und Thomas Hillenbrand (Hamburg)
Joinr.de heißt das Angebot, das die beiden Gründer Philipp Götzinger und Stefan Pflaum erfunden haben. Nutzer können eigene Videos, Fotos und Texte hochladen und mit anderen Leuten in Kontakt treten. Für den Aufbau der Website geht viel Zeit drauf: Philipp verschiebt den Studienbeginn, Stefan reist nicht wie geplant für ein halbes Jahr nach Singapur. Sie wollen ihre Chance nutzen, die Plattform im Netz groß machen.
Lars Hinrichs, Symbolfigur der Web-2.0-Generation, bringt OpenBC an ...   Lars Hinrichs, Symbolfigur der Web-2.0-Generation, bringt OpenBC an die Börse
Die Aussichten dafür sind gut wie nie. Die Internetwelle unter dem Schlagwort Web 2.0 sorgt für einen zweiten Goldrausch im Netz. Vorreiter wie der Web-Treffpunkt Myspace, die Videoplattform Youtube oder der Bilderdienst Flickr haben die Branche elektrisiert. Auch die deutsche.
Auf den ersten Blick scheinen auch diesmal amerikanische Angebote das Rennen zu machen: Sie werden gefeiert, geklickt und gekauft. Wer genauer hinschaut, wird jedoch Zeuge einer kleinen Revolution: Erstmals haben die deutsche Kopien amerikanischer Websites die Originale überholt. Deutsche Startups wie die Videoplattformen Myvideo.de, Clipfish oder der Bookmark-Dienst Mister Wong wachsen rasant - und könnten ihre US-Vorbilder schlagen.
Zwei Deals beflügeln die Fantasie
Der deutsche Zwergenaufstand hat auch die hiesigen Medienkonzerne beeindruckt. Sie wollen vom Web-2.0-Geschäft profitieren, stecken Millionen in deutsche Plattformen und Netzwerke - und beschleunigen damit den Aufstieg der Webunternehmen. Zwei spektakuläre Deals der jüngsten Vergangenheit haben die Fantasie der Konzerne angefacht: der Kauf von Myspace durch Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. für 580 Mio. $ sowie die Übernahme von Youtube durch Google für 1,65 Mrd. $. "Diesen Markt gibt es in der allgemeinen Wahrnehmung, seitdem Rupert Murdoch Myspace gekauft hat", sagt Pascal Zuta, Geschäftsführer der erst kürzlich gestarteten Web-Plattform Bloomstreet.

Lokalmatadore
Myvideo Pro Sieben Sat 1 Media stieg im September 2006 beim größten deutschen Videoportal ein.
Clipfish RTL zeigt auf dieser Plattform Schnipsel der Show "Deutschland sucht den Superstar".
Stayfriends Die deutsche Schülerplattforn bekommt Konkurrenz vom StudiVZ-Ableger SchülerVZ.
StudiVZ Das größte deutsche Studentenportal wurde vom Holtzbrinck-Verlag aufgekauft.
Mister Wong Hier finden Besucher über eine Million Empfehlungen anderer User zu guten Websites.
Xing Die Business-Plattform hieß früher OpenBC - und ging im Dezember an die Börse.

Die Popularität solcher Dienste wächst schier unaufhaltsam. "Die Zeit ist reif dafür, dass europäische Firmen in ihren Marktsegmenten weltweit führende Positionen einnehmen können", sagt der Österreicher Martin Stiksel, einer der drei Gründer des Online-Musikdiensts Lastfm. Und Lars Hinrichs, Chef der Hamburger Internetplattform Xing, fügt hinzu: "Die Amerikaner haben dieses Mal weniger Kapital, das lässt Raum für Entwicklungen in Deutschland."
Xing, ehemals OpenBC, ist Deutschlands größtes Portal für Businesskontakte. Hinrichs hatte Xing im vergangenen Jahr an die Börse gebracht. Das Unternehmen mit 1,7 Millionen Nutzern hat derzeit eine Marktkapitalisierung von 141 Mio. Euro.

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  • Aus der FTD vom 12.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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