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Merken   Drucken   19.11.2008, 21:13 Schriftgröße: AAA

Agenda: Der tiefe Fall des David Montgomery

Dossier David Montgomery hatte einen Traum: Ein Medienimperium aufzubauen, wie es die Branche noch nie gesehen hatte. Nun steht seine Mecom Holding am Abgrund. Der Aktienkurs bricht ein, die Schulden wachsen. Der Konzern muss schrumpfen. von Matthias Lambrecht (London) und Jennifer Lachman (Berlin)
Unten in der Jermyn Street scheint die Welt noch in Ordnung. Dunkel lackierte Maserati und Range Rover stehen vor den Schaufenstern von Turnbull & Asser oder Crockett & Jones. Drinnen werden maßgeschneiderte Hemden und handgefertigte Schuhe für 370 Pfund das Paar angeboten. Es ist, als ob sie nicht existierten: die Finanzkrise, die Rezession, die ganz Großbritannien im Griff haben.
Fünf Stockwerke über der kleinen Gasse versucht auch David Montgomery , den schönen Schein zu wahren. Hier, unter dem Dach des Londoner Altbaus, residiert seine Mecom  Holding. Mit 22 Mitarbeitern steuert Montgomery von hier aus ein Presseimperium mit mehr als 300 Titeln und über 1 Mrd. Pfund Umsatz.
In der Ecke des kleinen Konferenzraums liegt ein Stapel angestaubter Zeitungen aus Polen, Dänemark und Holland, dazwischen die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier". Sie alle kommen aus Verlagen, die der Ex-Chef der britischen Mirror Group zwischen 2005 und 2007 zusammengekauft hat. "Wir haben Fortschritte gemacht", sagt Montgomery über die von ihm übernommenen Unternehmen. "Doch der Markt schaut allein auf unsere Verschuldung und die allgemeine Lage im Zeitungsgeschäft."
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Und dieser Markt fällt ein vernichtendes Urteil. An der Börse ist die Mecom-Aktie, die im Juli 2007 noch bei 97 Pence notierte, auf 1,5 Pence abgestürzt. Ein Misstrauensvotum gegen Montgomery, der einst Investoren mit höchst ambitionierten Renditeversprechen köderte. Der hierfür in den von ihm übernommenen Titeln beispiellose Sparmaßnahmen einleitete, die in den Redaktionen zu Proteststürmen gegen die Heuschrecke aus London führten. Der aller Kritik zum Trotz weiter ein Blatt nach dem anderen einkaufte - und dafür immer wieder die Unterstützung seiner Geldgeber fand. 570 Mio. Pfund Kapital sammelte Montgomery beim Börsengang im März 2007 ein. Mehr als 1,3 Mrd. Pfund wandte er auf, um all seine Beteiligungen zu erwerben.
Jetzt ist der Visionär zum Kapitalvernichter geworden. 24 Mio. Pfund ist Mecom an der Börse noch wert, 587 Mio. Pfund Schulden lasten auf dem Konzern. "Das ist das Ende dieser Einkaufsserie", sagt der Analyst Simon Davies von ABN Amro. "Die stehen unter massivem Druck."
Mecom ist schwer angeschlagen. Die Finanzkrise und die Rezession lassen das Anzeigengeschäft der Zeitungsbranche einbrechen - und mit ihm die Ergebnisse von Montgomerys schnell zusammengekauftem Medienkonglomerat. Ende Oktober musste Mecom die Prognose für das laufende Jahr deutlich senken.

Teil 2: Ein Verlag auf Zickzackkurs

  • Aus der FTD vom 20.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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