Fernsehmoderator Günther Jauch
Schade um den schönen Vortrag. Fritz Raff, der neue Vorsitzende der ARD, hatte sich ein passendes Thema gesucht für die Tagung in dem selbst ernannten "Verwöhnhotel" in der Südeifel. "Und 20 Minuten bevor ich anfangen sollte zu reden, hat mich dann diese Sache ereilt", stöhnt Raff: Ein Anruf auf dem Handy, der Moderator Günther Jauch sagt der ARD ab. Großes Durcheinander im Senderverbund. Plötzlich scheint mehr ins Rutschen geraten als nur der Sendeplatz am Sonntagabend, den Jauch übernehmen sollte.
Raff fährt trotzdem fort mit seinem Referat, als sei nichts geschehen. Dabei hat das Thema, über das er sprechen soll, gerade ungewollt neue Brisanz bekommen: "Bröckelt das Fundament des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?" Ebenso der Gegenstand der gesamten Tagung in der Südeifel: "Das duale System des Rundfunks in Deutschland - ein Auslaufmodell?"
Raffs Antwort, zusammengefasst: Nichts bröckelt! Alles steht fest da wie eh und je! Die ARD hatte extra ein Team des Tochtersenders Phoenix geschickt, um die Entwarnung ihres Vorsitzenden vor einem Auditorium aus Verfassungsjuristen in die Welt zu senden.
Trotzdem konnten die warmen Worte kaum mehr für Beruhigung sorgen. Die Absage Günther Jauchs hat eine Diskussion - intern und extern - wieder voll entfacht. Es geht um Grundsätzliches, ums Eingemachte. Kein Wunder: Das Chaos um Jauch eröffnet ein wichtiges Jahr für die Öffentlich-Rechtlichen. Der Wirbel um die Absage des Moderators hat den Verantwortlichen gezeigt, dass die ruhige Zeit endgültig vorbei ist, in der Traumquoten mit Fußball-WM und "Sportschau" alle Skandale und Probleme überdeckten.