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Merken   Drucken   14.01.2007, 19:15 Schriftgröße: AAA

Agenda: Die Jauch-Grube

Nach der Absage des RTL-Moderators Günther Jauch ist der Machtkampf bei der ARD um die Zukunft voll entbrannt. Auf den Sender kommen turbulente Monate zu: In wenigen Wochen könnte Karlsruhe ein Urteil über die Gebühren fällen. von Lutz Meier (Berlin)
Fernsehmoderator Günther Jauch   Fernsehmoderator Günther Jauch
Schade um den schönen Vortrag. Fritz Raff, der neue Vorsitzende der ARD, hatte sich ein passendes Thema gesucht für die Tagung in dem selbst ernannten "Verwöhnhotel" in der Südeifel. "Und 20 Minuten bevor ich anfangen sollte zu reden, hat mich dann diese Sache ereilt", stöhnt Raff: Ein Anruf auf dem Handy, der Moderator Günther Jauch sagt der ARD ab. Großes Durcheinander im Senderverbund. Plötzlich scheint mehr ins Rutschen geraten als nur der Sendeplatz am Sonntagabend, den Jauch übernehmen sollte.
Raff fährt trotzdem fort mit seinem Referat, als sei nichts geschehen. Dabei hat das Thema, über das er sprechen soll, gerade ungewollt neue Brisanz bekommen: "Bröckelt das Fundament des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?" Ebenso der Gegenstand der gesamten Tagung in der Südeifel: "Das duale System des Rundfunks in Deutschland - ein Auslaufmodell?"
Raffs Antwort, zusammengefasst: Nichts bröckelt! Alles steht fest da wie eh und je! Die ARD hatte extra ein Team des Tochtersenders Phoenix geschickt, um die Entwarnung ihres Vorsitzenden vor einem Auditorium aus Verfassungsjuristen in die Welt zu senden.
Trotzdem konnten die warmen Worte kaum mehr für Beruhigung sorgen. Die Absage Günther Jauchs hat eine Diskussion - intern und extern - wieder voll entfacht. Es geht um Grundsätzliches, ums Eingemachte. Kein Wunder: Das Chaos um Jauch eröffnet ein wichtiges Jahr für die Öffentlich-Rechtlichen. Der Wirbel um die Absage des Moderators hat den Verantwortlichen gezeigt, dass die ruhige Zeit endgültig vorbei ist, in der Traumquoten mit Fußball-WM und "Sportschau" alle Skandale und Probleme überdeckten.
Nun geht es Schlag auf Schlag: Voraussichtlich im Februar urteilt das Bundesverfassungsgericht über das System zur Festlegung der Rundfunkgebühr. Für April arbeiten die Intendanten jetzt schon an einer neuen Anmeldung für neue Gebührenerhöhungen ab 2009. Gleichzeitig diskutieren die zuständigen Bundesländer über ein völlig neues Gebührensystem.
Alles Anlässe, die die alten Fragen neu aufwerfen werden: ob die Anstalten zu viel Geld bekommen und ob sie es richtig verwenden. "Die ARD ist auf die öffentliche Diskussion kaum vorbereitet", sagt Uwe Kammann, als Chef des renommierten Adolf-Grimme-Instituts eigentlich kritisch-freundlicher Begleiter der Öffentlich-Rechtlichen. Er prophezeit: "Sie werden spüren, dass ihnen in der Öffentlichkeit mehr Fragen gestellt werden: Wofür zahlen wir die Gebühr, und was machen die mit dem Geld?" Da, sagt der Medienexperte voraus, könnten die Sender nur bestehen, wenn sie den Kampf um ihre Legitimation in der Öffentlichkeit führen, statt sich nur auf Politiker zu verlassen. "Bisher wird jede kritische Nachfrage als Majestätsbeleidigung betrachtet." Dabei hat schon der Protest gegen die Gebührenpflicht für Internet-PC im vergangenen Jahr gezeigt, wie brüchig die Unterstützung für das Gebührensystem ist.
Hinzu kommt, dass der Verbund mitten in einem Generationswechsel steckt, der die dünne Personaldecke der Sender ebenso sichtbar macht wie das undurchsichtige Agieren der Kontrollgremien. Alte ARD-Recken wie WDR-Chef Fritz Pleitgen, NDR-Leiter Jobst Plog und Programmchef Günter Struve treten demnächst ab. Die Neuen, wie die frisch gewählte WDR-Regentin Monika Piel, müssen Reformen einleiten, wenn sie den Kampf um die Zukunft gewinnen wollen. "Natürlich muss jemand voranschreiten und die Modernisierung angehen", sagt Kammann. Insofern passte die Überschrift von Raffs Rede in der Südeifel zur Situation in diesem Jahr: Es geht um das Fundament, nicht um die Fassade.

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  • Aus der FTD vom 15.01.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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