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  FTD-Serie: Die Zukunft der Zeitung

Die Debatte um die Zukunft der Zeitung gewinnt an Brisanz: Die Traditionsblätter "Le Monde" und "New York Times" sind in einer Krise, die Deutsche Post erwägt einen Angriff mit Gratiszeitungen, zwischen Öffentlich-Rechtlichen und den Verlagen eskaliert der Streit im Internet.

Mit Kommentaren, Gastbeiträgen und Features entwirft die FTD Szenarien, stellt Akteure und Geschäftsmodelle vor. Die Debatte um die Zukunft des Qualitätsjournalismus geht keinesfalls nur Journalisten an, sondern auch Sie, den Leser.

Merken   Drucken   29.04.2008, 20:29 Schriftgröße: AAA

Agenda: Die Sorgen der Zeitungsverleger

Dossier Stellenabbau bei "Le Monde", rote Zahlen bei der "New York Times" - Deutschlands Verleger fürchten sich vor der Flut schlechter Nachrichten aus dem Ausland. Viele flüchten sich in neue Geschäftsfelder. Dabei hat die gedruckte Zeitung hierzulande durchaus Zukunft. von Lutz Knappmann und Jennifer Lachman (Hamburg)
Die Gewitterwolken am Horizont sind tiefschwarz. Noch haben sie die Landesgrenze nicht erreicht. Doch das Donnergrollen ist aus der Ferne schon zu hören. Und es wird nicht reichen, unter ein paar Bögen Zeitungspapier Unterschlupf zu suchen.
Sorgenvoll blicken Deutschlands Zeitungsverlage auf das, was da aus Frankreich und den USA heranzieht: Sparmaßnahmen und Streiks bei "Le Monde". Rote Zahlen und Entlassungen bei der "New York Times". Ein Gewinneinbruch bei "USA Today", Milliardenschulden beim "Tribune"-Verlag. Und jetzt droht die Finanzkrise den Niedergang zu beschleunigen. "Noch ist die Konjunktur in Deutschland stabil", sagt ein Verlagsberater. "Aber wenn unsere Wirtschaft wie in den USA in die Rezession rutscht, werden wir hierzulande dieselben Folgen für die Medienbranche erleben."
"Le Monde frißt ihre Kinder" steht auf einem ...   "Le Monde frißt ihre Kinder" steht auf einem Streikplakat und wendet sich gegen die geplanten Entlassungen
Da ist sie wieder: Die Angst vor dem Ende der gedruckten Zeitung. Gerade erst haben Deutschlands Verlage sich von der großen Medienkrise Anfang des Jahrtausends erholt. Schon fürchten sie wieder um ihre Auflage, ihre Werbeeinnahmen, ihr Überleben. Die Bundesregierung erwägt, die Presse unter Artenschutz zu stellen. Mit einer "Nationalen Initiative Printmedien" ruft Kulturstaatsminister Bernd Neumann neuerdings zur Rettung der Gattung Zeitung auf, unterstützt von Verlegerverbänden und dem Presserat. Das Bewusstsein der Bürger für die Rolle der Printmedien in der Demokratie solle geschärft werden, ihren kulturellen Wert. Medienforscher wie Horst Röper halten die Panik indes für unbegründet: "Die Zeitungen sind nicht bedroht", sagt der Dortmunder Wissenschaftler. Die Verlage bräuchten nur gute Konzepte.
Die Suche nach diesen Konzepten gerät ziemlich hektisch. Die Zeitungshäuser drängen ins Internet, kaufen Titel zu oder dehnen ihr Geschäftsmodell auf völlig neue Branchen aus. Beinahe blindwütig stürzen sich manche Verleger in Abenteuer mit ungewissem Ausgang.
So versenkte der Axel-Springer-Verlag  gut 500 Mio. Euro beim Versuch, den heute insolventen Briefzustelldienst Pin als neue Säule des Geschäftsmodells zu etablieren. Das Frauenportal Aufeminin.com, das der Konzern im Oktober 2007 erwarb, macht Springer ebenfalls keine Freude: Im ersten Quartal brach der Gewinn von Aufeminin.com um 30 Prozent ein, der Aktienkurs des börsennotierten Portals gab um ein Drittel nach. "Die kommenden Jahre werden für Medienunternehmen, die erfolgreiche Marken im Internet entwickeln wollen, entscheidend sein", hatte Vorstand Andreas Wiele nach dem Kauf gesagt. Springer sei mit Aufeminin in einer sehr guten Ausgangsposition. Jetzt droht der Traum von der Führungsrolle im Netz zu platzen.
Auch der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag gerät auf dem eilig eingeschlagenen Kurs ins Onlinezeitalter ins Straucheln. Anfang vergangenen Jahres kaufte das Unternehmen für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag das Netzwerkportal StudiVZ und baute es mit SchülerVZ und MeinVZ zu einer Community-Familie aus. Doch das Modell, mit dem die Schwaben die angepeilten Erlöse erzielen wollen, geht nicht auf: Die Nutzer rebellieren gegen den Plan, Werbung in die Communitys einzubinden.
Die WAZ-Gruppe kämpft an allen Fronten zugleich - auch gegen die eigene Zunft. Die Essener kaufen Titel im Ausland, tummeln sich im Lokalfernsehen und kooperieren mit der Post im Zustellgeschäft. Ein Tabubruch für viele Verlage, die gegen Pläne der Post für eigene Gratisblätter kämpfen. Zudem übernimmt die WAZ  neuerdings öffentlich-rechtliche Fernsehbeiträge auf ihre Internetseite - obwohl sich die Branche mit den Rundfunkanstalten über deren gebührenfinanzierte Online-Auftritte streitet.

Teil 2: Strategien gegen den Leserschwund

  • Aus der FTD vom 30.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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