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24.10.2007, 20:49
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Ganz neue Töne
Nach Jahren der Depression ist die Musikindustrie endlich erwacht und stemmt sich gegen den Absturz: Der Kopierschutz fällt, Abodienste sprießen, die Plattenkonzerne mischen bei Konzerten und Werbung mit. Die Folge: Keiner kann sich mehr sicher sein - nicht mal Marktführer Apple.
von Arndt Ohler (Hamburg)
Keine Frage: Da hat sich mächtig Wut gestaut. "Die Verteilung zwischen Apple und den Produzenten ist unanständig", schimpfte Jean-Bernard Lévy vor wenigen Wochen. "Unsere Verträge räumen Apple einen zu großen Anteil ein." Levy ist Chef des Mischkonzerns
Vivendi , Besitzer des weltgrößten Musikkonzerns
Universal Music .
Apple betreibt die mächtigste Handelsplattform für Musikdateien im Internet: iTunes.
Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy
Der Wutausbruch Lévys hat die Branche erstaunt. Noch vor Kurzem hätte sich das kein Musikmanager getraut. Apple-Chef Steve Jobs galt als Heilsbringer der gebeutelten Industrie, konnte den Konzernen fast beliebig die Konditionen diktieren. Auf die Umsätze durch iTunes wollte niemand verzichten. Mit mehr als drei Milliarden verkauften Liedern ist die Plattform inzwischen zum drittgrößten Musikhändler in den USA aufgestiegen.
Doch nun ändern sich die Zeiten. Für Apple, für die gesamte Musikindustrie: Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Kooperationen oder Geschäftsmodelle angekündigt werden. Ob Prince seine Musik einer Zeitung beilegt, Paul McCartney sie über Starbucks vertreibt oder Madonna ihre Plattenfirma verlässt, um sich an einen Konzertveranstalter zu binden - die Branche befindet sich in einem historischen Umbruch.
Nichts wird mehr sein, wie es mal war. Und es ist nebenbei die einzige Chance, sich aus dem Würgegriff Apples zu befreien - und die Krise zu beenden.
Altes Geschäftsmodell mausetot
Lange hat es nicht so ausgesehen, als schaffe es die Branche, überhaupt den Kampf gegen die Depression aufzunehmen. Gelähmt von den fallenden Absatzkurven sprachen die Musikmanager mehr über mögliche und unmögliche Neuerungen, als diese wirklich anzugehen. Lediglich der Vertrieb wurde auf das Internet übertragen. Neue Geschäftsmodelle waren dagegen nicht in Sicht.
Dabei sind die alten mausetot. Keine Zukunft bieten die alten Medien, etwa die ehrwürdige CD, deren Verkaufszahlen atemberaubend abstürzen - allein im vergangenen halben Jahr um 20 Prozent im wichtigsten Markt, den USA. Welcher Jugendliche kauft heute noch teure Tonträger, wenn er seine Lieblingslieder kostenlos übers Internet tauschen oder illegal auf dem Rechner brennen kann? Hinzu kommt: Die wichtigen Kanäle, über die die Musik beworben wurde, sind längst bedeutungslos geworden. So laufen auf dem ehemaligen Musiksender MTV kaum noch Musikvideos, und Radiosender spielen für junge Menschen keine Rolle mehr.
Ein Kunde schaut in den Regalen nach CDs
Entsprechend furchtbar war der Niedergang der schillernden Branche - und er wird noch eine ganze Weile andauern. Die Deutschlandchefs von Universal und
Sony BMG BMG erwarten sogar, dass sich in diesem Jahr der Abwärtstrend beschleunigt. "Wir erwarten für den Markt einen Rückgang von sechs Prozent", sagt Universal-Chef Frank Briegmann. Schon 2006 war der hiesige Markt um 2,4 Prozent auf 1,71 Mrd. Euro geschrumpft. Der Verkauf von Liedern über Internetplattformen oder Handys kann den Rückgang nur bremsen.
Nun, da die Krise existenziell ist und die Aktionäre immer lauter meutern, raffen sich die Konzerne dazu auf, mal etwas Neues zu wagen. Niedergeschmettert von seinen Geschäftsergebnissen, begann etwa der Konzern
EMI im April damit, die Lieder seiner Künstler ohne Kopierschutz (DRM) anzubieten. Die Titel können so auf jedem Gerät abgespielt und ohne Qualitätsverlust beliebig oft kopiert werden. Ein Tabubruch, galt DRM doch als Rettung vor der Internetpiraterie.
Teil 2: Wie sich die Stars umorientieren
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Aus der FTD vom 25.10.2007
© 2007 Financial Times Deutschland,
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