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Merken   Drucken   26.05.2010, 07:51 Schriftgröße: AAA

Agenda: Hollywood wird zur Albtraumfabrik

Die goldene Ära der großen Hollywoodstudios ist vorbei. Die Finanzkrise hat sie voll getroffen. Und seit auch noch die DVD-Verkäufe einbrechen, kämpfen viele Studios ums Überleben. So wie Metro-Goldwyn-Mayer, das kurz vor der Insolvenz steht.
von Thomas Jahn, Los Angeles

Oben in der Empfangshalle prangt er, der berühmte brüllende Löwe, gebogen aus goldenem Messing. Leo the Lion steht für Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), die Traumfabrik unter all den Traumfabriken in Hollywood. In einer Vitrine an der Wand strahlen die Trophäen vergangener Jahre, 15 Oscars in der Kategorie "Bester Film", die das Filmstudio zum Mythos gemacht haben. Einst behauptete MGM stolz, mehr Stars unter Vertrag zu haben, als es Sterne am Himmel gibt. Aber diese Zeiten sind lange vorbei.

Das MGM-Logo vor dem Eingang des Unternehmenssitzes in Santa Monica   Das MGM-Logo vor dem Eingang des Unternehmenssitzes in Santa Monica

In der Halle ist es seltsam ruhig, kein Mensch ist zu sehen. Neben dem Telefon steht ein Schild auf dem Tresen: "Keine Empfangsdame. Wenn Sie Fragen haben, wählen Sie bitte die Null." Bei MGM wird gespart. Erst vor wenigen Wochen wurde die Produktion des nächsten James-Bond-Films "auf unbestimmte Zeit" ausgesetzt. Sollte sich kein neuer Investor finden, droht im Juli sogar die Insolvenz.

Der Absturz von MGM steht für die Misere der großen Hollywoodstudios. Von der Finanzkrise schwer getroffen, durchlebten sie zwei Horrorjahre, die selbst die Rekordergebnisse des 3-D-Spektakels "Avatar" nicht wettmachen konnten. Seitdem die Investoren, vor allem Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen, im riskanten Filmgeschäft zurückhaltender geworden sind, fehlt den Studios Geld, um neue Blockbuster zu produzieren. Und parallel bricht ihnen auch noch das wichtigste Geschäft weg: der DVD-Verkauf, der bislang doppelt so viel einbrachte wie die Ticketverkäufe an den Kinokassen.

Joe Patrick residiert in einem Eckbüro im 14. Stock des MGM Towers. Auf einem gigantischen Flachbildfernseher läuft ein Baseballspiel ohne Ton. Durch zwei Fenster schaut er auf die Hochhäuser von Hollywood, hinter denen gerade die Sonne untergeht. Der mächtige Manager hat Stressfalten im Gesicht, seit Monaten jagt eine Sitzung die nächste. Es sind harte Zeiten. "In der Geschichte von Hollywood hat es immer Umbrüche gegeben", sagt er. Sogar eine Konsolidierung der Branche sei grundsätzlich richtig. "Aber wir müssen aufpassen, dass wir es nicht vergeigen."

Patrick verkauft in Nordamerika die Rechte für MGM-Filme an Fernsehsender und Internetanbieter wie Apple. In der sagenhaften Filmothek des Studios befinden sich mehr als 4000 Titel, darunter "Ben Hur", "Vom Winde verweht", "Das Schweigen der Lämmer" und die James-Bond-Filme, deren Vermarktungserfolg unerreicht ist. Das Archiv ist das Kostbarste, was MGM hat. Patrick hütet diesen Schatz. Und er soll neue Wege finden, um daraus Geld zu machen. "Die Menschen kaufen keine klassischen Filme mehr, weil sie glauben, dass DVDs aussterben", sagt er. "Das wird eine selbsterfüllende Prophezeiung."

Für MGM ist das eine Katastrophe. Zwischen 2007 und 2010 fielen die DVD-Einnahmen des Studios von 198 Mio. $ auf nur noch rund 70 Mio. $. Und diese Verluste kann MGM noch längst nicht über den Verkauf von teureren Blu-ray-Discs oder über das Internet ausgleichen. Machte das Studio vor drei Jahren noch einen Nettogewinn von 101 Mio. $, war es im Geschäftsjahr 2010 ein Verlust von 153 Mio. $.

Teil 2: Wie Kreditgeber die Macht übernehmen

  • Aus der FTD vom 26.05.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
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