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Merken   Drucken   07.10.2009, 09:01 Schriftgröße: AAA

Agenda: Time Warner dreht die Zeit zurück

Dossier Jahrelang hat der Konzern zusammengekauft, was nicht zusammenpasste. Nun probiert es Time-Warner-Chef Jeffrey Bewkes mit einer Schrumpfkur. Der weltgrößte Medienkonzern reagiert hilflos auf den tiefen Wandel der Branche - wie viele seiner Wettbewerber. von Matthias Ruch  , Astrid Dörner, New York, Helene Laube, San Francisco und Lutz Knappmann, Hamburg
Manchmal, wenn ihn der Frust packt und die Wut auf alle, die an diesem Konzern herumgedoktert haben, redet Jeffrey Bewkes Klartext: "Time Warner ist aus einer Reihe von Übernahmen entstanden", erzählte er kürzlich bei einer Preisverleihung in New York. "Wir waren wie Cisco. Mit einem Unterschied: Alle unsere Deals waren Schrott, weil wir es nie geschafft haben, unsere Zukäufe zu integrieren."
Die Offenheit und die Härte, mit der Time-Warner-Chef Bewkes den Zustand seines eigenen Konzerns beklagt, sollen den Investoren zeigen: Jetzt wird aufgeräumt. Die Zeit der großen Abenteuer ist vorbei, seit der 57-Jährige vergangenes Jahr das Ruder übernommen hat. Der Traum vom Imperium ist ausgeträumt. Time Warner bekommt eine radikale Schrumpfkur verpasst.
Wie kein zweiter Konzern steht Time Warner  für die Hilflosigkeit, mit der die großen US-Medienhäuser auf den tiefen Wandel ihres Geschäfts reagieren. Die Digitalisierung stellt die Medienbetriebe vor gewaltige Herausforderungen. Die klassischen Geschäftsfelder Fernsehen, Hörfunk, Print und Film sehen sich mit immer neuen Verbreitungskanälen, veränderten Nutzungsmustern und neuen Angeboten konfrontiert. Und in der Wirtschaftskrise kollabieren die Werbeeinnahmen - und damit die Existenzgrundlage.
Kursinformationen und Charts
  Time Warner 37,47 USD  [-0.24 -0,64%
2008 konnte Time Warner den Umsatz zwar mit rund 47 Mrd. $ konstant halten, wegen gewaltiger Abschreibungen standen am Ende aber 13,5 Mrd. $ Nettoverlust in den Büchern. Im Eiltempo spaltet Time Warner nun Geschäftsfelder ab - dreht also jene Akquisitionsstrategie zurück, die der Konzern noch vor wenigen Jahren als überlebenswichtig pries.
Die Ironie der Geschichte: Rivalen wie Comcast gehen den entgegengesetzten Weg - und basteln an neuen Großübernahmen. Die Strategien widersprechen sich, aber sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: Die Veränderungen sind radikal. Und niemand hat eine Patentlösung.
Seit dem Jahr 2000 haben die großen Medienkonzerne zusammen weit mehr als 200 Mrd. $ abgeschrieben, rechnen die Branchenforscher Jonathan Knee und Bruce Greenwald vor. "Dagegen nimmt sich die rote Tinte bei der Citigroup als leichte Schamröte aus", schreiben sie in ihrem Buch "The Curse of the Mogul - What's Wrong with the World's Leading Media Companies". Die Abschreibungen bedeuten "echte Wertzerstörung infolge unerbittlicher Überbezahlung für Akquisitionen, ‚strategische‘ Investitionen und Verträge."

Teil 2: Der Ausverkauf hat gerade erst begonnen

  • Aus der FTD vom 07.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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