Springer-Konzernchef Mathias Döpfner
Kurz vor Beginn sieht alles noch aus wie deutsche Unternehmensroutine. Manche der Schreiber, Drucker und Sekretärinnen des Springer-Verlags hat die Angst vor dem möglichen Stellenabbau in das Hamburger Congress Center gelockt. Vielleicht finden einige auch den Tagesordnungspunkt "Personalrestaurant" interessant. Doch als dann Konzernchef Mathias Döpfner um kurz nach zehn wie geplant in die Betriebsversammlung der Hamburger Springer-Beschäftigten kommt, ist schnell klar, dass die Kantine an diesem Tag eine Nebensache bleiben wird.
Der sonst so souveräne Chef sieht übernächtigt aus, fahrig, ein bisschen unkonzentriert, jedenfalls schildern ihn so die Teilnehmer der Versammlung. "Da müssen wir durch", sagt der Konzernchef immer wieder, wiederholt fährt er sich während der Rede mit den Händen durchs Haar. Nur seine weiche, beherrschte Rednerstimme behält Döpfner im Griff. "Es ist bitter, aber ich glaube, es ist richtig", sagt er.
Ein Traum ist aus. Um neun in der Früh hatte der Vorstand die Entscheidung zur Absage der Übernahme von
Pro Sieben Sat 1 noch einmal formal in einer kurzen Telefonkonferenz abgesegnet. Doch da war sie schon längst getroffen. Seit Tagen spielten Döpfner und sein Finanzchef Steffen Naumann zusammen mit Bankern, Anwälten und Beratern die Szenarien durch. Ministererlaubnis oder Rückzug?
Appell an Glos war formuliert
Den Antrag auf eine Sondererlaubnis bei Wirtschaftsminister Michael Glos hatten die Anwälte schon komplett formuliert. Er hätte bis am Mittwoch abgeschickt werden müssen, um wegen der gesetzlichen Entscheidungsfristen noch den Termin im Juni einzuhalten. Bis dahin versprach der amerikanische Nocheigner der Fernsehgruppe, Haim Saban, stillzuhalten, keine seperaten Verhandlungen zu führen. Und bis Ende Januar wollte der Vorstand dem Aufsichtsrat über seine Überlegungen berichten.