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Merken   Drucken   01.02.2006, 21:49 Schriftgröße: AAA

Agenda: Versiebt

Mathias Döpfners Traum ist geplatzt, der Axel-Springer-Verlag schafft wieder einmal nicht den Aufstieg zur Fernsehmacht. Nun redet er die Niederlage klein und sucht neue Ziele. Dabei gibt ihm niemand die Schuld an dem Rückzug. von Lutz Meier, Berlin, Jennifer Tiede und Claus Hecking, Hamburg
Springer-Konzernchef Mathias Döpfner   Springer-Konzernchef Mathias Döpfner
Kurz vor Beginn sieht alles noch aus wie deutsche Unternehmensroutine. Manche der Schreiber, Drucker und Sekretärinnen des Springer-Verlags hat die Angst vor dem möglichen Stellenabbau in das Hamburger Congress Center gelockt. Vielleicht finden einige auch den Tagesordnungspunkt "Personalrestaurant" interessant. Doch als dann Konzernchef Mathias Döpfner um kurz nach zehn wie geplant in die Betriebsversammlung der Hamburger Springer-Beschäftigten kommt, ist schnell klar, dass die Kantine an diesem Tag eine Nebensache bleiben wird.
Der sonst so souveräne Chef sieht übernächtigt aus, fahrig, ein bisschen unkonzentriert, jedenfalls schildern ihn so die Teilnehmer der Versammlung. "Da müssen wir durch", sagt der Konzernchef immer wieder, wiederholt fährt er sich während der Rede mit den Händen durchs Haar. Nur seine weiche, beherrschte Rednerstimme behält Döpfner im Griff. "Es ist bitter, aber ich glaube, es ist richtig", sagt er.
Ein Traum ist aus. Um neun in der Früh hatte der Vorstand die Entscheidung zur Absage der Übernahme von Pro Sieben Sat 1  noch einmal formal in einer kurzen Telefonkonferenz abgesegnet. Doch da war sie schon längst getroffen. Seit Tagen spielten Döpfner und sein Finanzchef Steffen Naumann zusammen mit Bankern, Anwälten und Beratern die Szenarien durch. Ministererlaubnis oder Rückzug?
Appell an Glos war formuliert
Den Antrag auf eine Sondererlaubnis bei Wirtschaftsminister Michael Glos hatten die Anwälte schon komplett formuliert. Er hätte bis am Mittwoch abgeschickt werden müssen, um wegen der gesetzlichen Entscheidungsfristen noch den Termin im Juni einzuhalten. Bis dahin versprach der amerikanische Nocheigner der Fernsehgruppe, Haim Saban, stillzuhalten, keine seperaten Verhandlungen zu führen. Und bis Ende Januar wollte der Vorstand dem Aufsichtsrat über seine Überlegungen berichten.
Pro-Sieben-Sat-1-Eigner Haim Saban   Pro-Sieben-Sat-1-Eigner Haim Saban
Ihr Ergebnis: Der Brief an Glos wird nie abgeschickt. Seit Anfang der laufenden Woche wird den wechselnden Teilnehmern der Runden immer klarer, dass das größte Risiko nicht aus der Welt zu verhandeln ist: Verzögert sich eine Ministererlaubnis - etwa wegen Klagen gegen ein zustimmendes Votum - dann könnte die gesamte Finanzarchitektur des Geschäfts zusammenbrechen. Denn Springer müsste ein neues öffentliches Übernahmeangebot für die Fernsehaktien machen. Das hätte das gesamte Geschäft mit einem Volumen von bis zu 4,2 Mrd. Euro noch um 400 Mio. Euro verteuert, rechnen die Banker Döpfner vor, dazu kämen die mit Saban vereinbarten zusätzlichen Zahlungen von über 100 Mio. Euro.
Überdies sei eine Ministererlaubnis trotz positiver politischer Signale immer noch ungewiss, sagen die Juristen in der Runde, und es lasse sich kaum kalkulieren, welches Risiko mögliche zusätzliche Auflagen hätten. Bei den letzten Gesprächsrunden am Montag und Dienstag hat laut Teilnehmern keiner der Mitdiskutierer mehr für ein Festhalten an dem Milliardengeschäft plädiert. Auch nicht Mathias Döpfner.

Ist Döpfner jetzt fällig? Lesen Sie weiter

  • Aus der FTD vom 02.02.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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