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Merken   Drucken   19.07.2006, 20:36 Schriftgröße: AAA

Agenda: Verwirrungstaktik

In drei Wochen wollen Millionen Fans wieder Bundesliga live im Fernsehen schauen. Der neue Bezahlsender Arena verspricht "Fußball für alle" - doch wie das Bild ins heimische Wohnzimmer kommt, ist vielen Kunden und Anbietern immer noch ein Rätsel. von Isabell Hülsen und Thomas Hillenbrand (Hamburg)
Eine Fernsehkamera zeichnet ein Bundesligaspiel auf   Eine Fernsehkamera zeichnet ein Bundesligaspiel auf
An post-weltmeisterlicher Langeweile leidet bei Arena zurzeit niemand. Am vergangenen Wochenende stand für die Mitarbeiter "Persönliches Kennenlernen" auf dem Programm, für die kommenden Tage sind mehrere Probesendungen geplant. Schließlich hat sich die Mannschaft ein hehres Ziel gesetzt: Der nagelneue Sender wird in drei Wochen der Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung in die Wohnzimmer bringen, die Fußball-Bundesliga.
Viel Zeit bleibt nicht mehr. Am 11. August werden die Münchner auf Schalke ihr mobiles Studio aufbauen, in dem jeden Spieltag an einem anderen Ort 180 Zuschauer die Sendung live verfolgen können. Ex-Sat1-Mann Oliver Welke wird durch eine Sendung führen, die laut Arena "mit einem völlig neuen Konzept" startet. Wichtigste Neuerung: Die Moderatoren werden sich volksnah präsentieren - ohne Anzug und Krawatte. "Wir wollen den Fan wieder näher ans Spiel bringen", sagt Chefredakteur Albrecht Schmitt-Fleckenstein. Nur weiß keiner, ob außer den 180 Studiogästen davon jemand etwas mitbekommt.
Technisch ist die Bundesliga jetzt zwar überall zu empfangen. Doch die meisten Fans haben in dem seit Dezember andauernden Verwirrspiel, bei wem welche Rechte liegen und über welchen Anbieter die Bilder den Weg ins heimische TV-Gerät finden, längst den Überblick verloren. "Die verschiedenen Systeme verwirren den Kunden", kritisiert Andreas Bereczky, Programmdirektor des ZDF, das selbst nur Zusammenfassungen der Spiele zeigt. "Wir haben jetzt die Aufgabe, dem Kunden zu erklären, wie er das Produkt auf den Fernsehschirm bekommt", sagt Arena-Chef Christoph Bellmer, der früher für das Mautsystem Toll Collect gearbeitet hat.
Lange Telefonate
Wer Fußball gucken will, braucht in den nächsten Wochen starke Nerven. Seit die Deutsche Fußball-Liga (DFL) vor Weihnachten in einem spektakulären Coup die Machtverteilung auf dem deutschen Pay-TV-Markt ins Wanken brachte, müssen sich Fußballfans mit technischen Kürzeln wie IPTV und VDSL herumschlagen, bei Telefonhotlines ausfindig machen, welcher Kabelnetzbetreiber das bisherige TV-Programm und damit künftig auch das Fußball-Abo ins Haus liefert oder ob die Premiere -Satellitenbox auch taugt, um das neue Arena-Abo zu empfangen.
Anders als in den vergangenen 15 Jahren buhlt nicht mehr nur Premiere um zahlende Fans. Heute gibt es Premiere, Arena, und die Deutsche Telekom, die die Spiele über ihre superschnellen Internetleitungen auf den Fernsehschirm schicken will. Alle drei Anbieter werden rechtzeitig zum Saisonstart mit TV-Werbung, Plakaten und Sonderaktionen in Elektronikmärkten auf Kundenfang gehen. "Das gibt ein totales Marketing-Chaos" prophezeit ein Berater.

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  • Aus der FTD vom 20.07.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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