Ancestry.com zeigt, wie sich mit Ahnenforschung gut verdienen lässt - Erbgutanalyse inklusive. von Daniela Leistikow, Hamburg
Ahnenforschung klingt wie ein Rentnerhobby, mit dem sich wenig Geld verdienen lässt. Weit gefehlt: Ancestry.com hat mit seinen Genealogie-Webseiten im Jahr 2011 rund 400 Mio. Dollar Umsatz gemacht - ein Plus von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Viel Geld für eine Idee, die auch religiös motiviert war: Die beiden Gründer lernten sich Mitte der 90er-Jahre auf einem College für Mormonen in Provo im Bundesstaat Utah kennen. Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft forschen nach verstorbenen Ahnen, um sie posthum zu taufen. Sie glauben, so deren Seelen retten zu können. Die Gründer stiegen allerdings bereits um die Jahrtausendwende aus.
Umsatz von Ancestry
Das seit 2009 an der Technologiebörse Nasdaq notierte Unternehmen verdient hauptsächlich mit Abonnements. Nutzer zahlen monatlich, um im Onlinearchiv Hinweise auf Verwandte in historischen Dokumenten zu suchen. Der Aufstieg des Unternehmens belegt nicht nur das Interesse von Nutzern an der Vergangenheit ihrer Familien, sondern auch die zunehmende Popularität von Abo-Modellen im Internet. Davon profitieren auch die Musikstreamingdienste Spotify und Pandora sowie zum Beispiel der Onlinevideodienst Maxdome.
Heute ist Ancestry.com nach eigenen Angaben die weltweit größte Onlinequelle für Familiengeschichte. Rund acht Milliarden Dokumente wie Geburtsurkunden, historische Namensregister internationaler Armeen und bald auch die Passagierliste der Titanic stehen zum Stöbern online. Auch deutsches Archivmaterial wird fleißig eingescannt: Seit Ende 2011 kooperiert Ancestry.com mit dem Landesarchiv Berlin.
Rund 1,7 Millionen zahlende Kunden waren zum Ende des Geschäftsjahres angemeldet - 22 Prozent mehr als im Vorjahr. US-Nutzer zahlen zwischen 13 und 35 Dollar im Monat, um Familienstammbäume anzulegen und Dokumente zu durchforsten. In Europa, wo der Dienst weniger etabliert ist, ist die Mitgliedschaft günstiger: Sechs Monate Zugang zur deutschen Website kosten zwischen 10 und 30 Euro. Im Durchschnitt gibt ein Abonnent mehr als 18 Dollar im Monat bei Ancestry.com aus.
Wem die Datenbank für die Suche nach Verwandten nicht ausreicht, der kann zusätzlich sein Erbgut untersuchen lassen. Das kostet 149 Dollar extra und ist nur eines der Geschäftsfelder, die Chef Tim Sullivan ausbauen möchte: Mit Apps für Smartphones sollen jüngere Nutzer gewonnen werden. "Wir wollen Ahnenforschung sozialer machen, bisher macht man das allein", sagte Sullivan in einer Telefonkonferenz. Auch eine Facebook-App gibt es: Alle Verwandten im Sozialen Netzwerk können so sehen, was die genealogiebegeisterte Tante über den Clan herausgefunden hat - und sollen so neue Kunden werden.
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