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Merken   Drucken   22.02.2010, 11:53 Schriftgröße: AAA

Angriff auf Suchmaschine: Spur der Google-Hacker führt an Uni

Der Hackerangriff auf Google und rund 20 weitere US-Unternehmen ist möglicherweise von einer Universität und einer Spezialschule in China ausgeführt worden. Laut Ermittlungen von US-Behörden wie der Agentur für Nationale Sicherheit habe es sich dabei um die Shanghai Jiao Tong University sowie um eine Computerschule in Lanxiang gehandelt. von Arndt Ohler  Hamburg
Das berichtet die Tageszeitung "New York Times" unter Berufung auf mit der Untersuchung vertraute Personen. Die Universität hat der Zeitung zufolge einen der besten Studiengänge in China für Computerwissenschaft. Die Schule in Lanxiang sei vom Militär mitfinanziert und bilde Computerspezialisten unter anderem für die Armee aus. Ein Leiter der Computerwissenschaftssparte der Schule bestätigte, dass jedes Jahr vier oder fünf Absolventen vom Militär rekrutiert würden. Zudem habe die Schule indirekt Verbindungen zum Google -Konkurrenten Baidu, der größten chinesischen Internetsuchmaschine. Sprecher der Universität sowie der Schule bestritten indes am Wochenende offiziell, irgendetwas mit den Angriffen zu tun zu haben.
Kursinformationen und Charts
  Google 591,53 USD  [-12.13 -2,01%
  Microsoft 29,06 USD  [-0.01 -0,03%
Attacken über das Internet auf Unternehmen oder Infrastruktur wie Energienetze gelten als eines der größten Risiken für die Sicherheit eines Landes. Bislang wurden Pekings Geheimdienste für die Wirtschaftsspionage der Hacker sowie für Netzangriffe auf Menschenrechtler verantwortlich gemacht. So hatten die Angreifer bei Google versucht, E-Mail-Konten von chinesischen Bürgerrechtlern zu kapern. Die Hacker nutzten dabei unter anderem eine Sicherheitslücke in dem Webbrowser Internet Explorer von Microsoft . Der Softwarekonzern hat mittlerweile Aktualisierungen veröffentlicht, die die Lücke schließen sollen.
US-Behörden suchen seit Wochen unter Hochdruck nach dem Ursprung der Angriffe. Bislang konnte die Spur lediglich bis zu Servern in Taiwan zurückverfolgt werden. Eine detaillierte Analyse der Angriffe soll ermöglichen, Sicherheitsdefizite in der Internetinfrastruktur oder in Programmen wie Outlook oder Webbrowsern zu beseitigen und künftige Anschläge zu erschweren. US-Präsident Barack Obama  hatte den neuen Posten des Koordinators für IT-Sicherheit erschaffen und dafür Ende Dezember 2009 Howard Schmidt ernannt. Schmidt ist damit Mitglied des Stabes für nationale Sicherheit.
Die Hackerangriffe Mitte Januar hatten dazu geführt, dass Google aus Protest China verlassen wird. Der Webkonzern betreibt seit 2006 eine chinesische Tochter und hatte sich dabei auch zur Selbstzensur bereit erklärt. US-Außenministerin Hillary Clinton  hatte die Angriffe ebenfalls deutlich kritisiert. "Die Entscheidung, die gefällt wurde, haben führende Manager von Google allein getroffen und wurde nicht von der Regierung beeinflusst", sagte Google-Chef Eric Schmidt  vergangene Woche auf der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona.
Googles Haltung gegenüber China hatte dem Konzern viel Zuspruch eingebracht. Vor dem Angriff musste Google dagegen massive Kritik einstecken. Zahlreiche Produkte und Initiativen wie Street View sowie das Buchdigitalisierungsprojekt hatten bei Nutzern, Datenschützern, Schriftstellern und Verlagen für Proteste gesorgt.
Ein Vertreter der kommunistischen Partei an der Universität hatte der "New York Times" zufolge gesagt, dass die Uni eine eigene Untersuchung starten werde, sollte sich der Verdacht erhärten. "Ich bin nicht überrascht. Dass sich Studenten in fremde Websites hacken, ist ziemlich normal", sagte ein Professor der Universität in Bezug auf die Möglichkeit, dass Studenten hinter den Angriffen stecken könnten.
Den aktuellen Ermittlungen zufolge starteten die Angriffe bereits im April 2009. Öffentlich wurden die Aktivitäten erst im Januar, als sich Google in einem Firmenblog äußerte.
Trotz zahlreicher Indizien ist sowohl Vertretern der US-Regierung wie auch Computerspezialisten unklar, ob die chinesischen Institutionen tatsächlich Ursprung der Angriffe sind. So könnten die Uni und die Schule lediglich als Tarnung dienen für Angriffe von chinesischen Regierungsbehörden, wird argumentiert. Von anderer Seite heißt es, der Angriff beweise, wie weit verbreitet und üblich Industriespionage in China sei, da der Angriff nicht seitens der Regierung geführt worden sei. Eine dritte Version lautet, dass sogar ein anderes Land die beiden Institutionen als Deckmantel genutzt habe.
00:50:24 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Google 591,53 USD   -2,01%  -12.13
Microsoft 29,06 USD   -0,03%  -0.01
  • Aus der FTD vom 22.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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