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  Cebit 2010 FTD-Serie: Grün und wolkig

Die Cebit steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Sicherheit. Zudem spielen Themen wie Green-IT und Cloud Computing vom 2. bis zum 6. März wieder eine wichtige Rolle in Hannover. FTD.de präsentiert in seinem Spezial Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   23.03.2010, 10:26 Schriftgröße: AAA

Angriffe und Kritik: Googles Kritiker und Neider

Mit seinem Kampf für Meinungsfreiheit in China sichert sich Google wieder mehr Sympathien in der Welt. Jüngst hat das Image der Suchmaschine allerdings arg gelitten. Vielen gilt Google als unheimliche Datenkrake oder Inhalte-Dieb. FTD.de zeigt, warum Google kein nettes Unternehmen mehr ist. von Annette Berger 
Mit teilweise 90 Prozent Marktanteil beherrscht Google  Internetsuche und Suchmaschinenwerbung in vielen Ländern weltweit, mit Ausnahme Asiens. Weit abgeschlagen sind Microsoft  und Yahoo. 
Doch der Suchmaschine reicht ihre Macht nicht. Sie arbeitet an vielen Diensten, die Menschen Angst machen. Mit einer ungeheuren Datensammlung ist Google in der Lage, Persönlichkeitsprofile zu erstellen.
Hier ein Überblick über Kritiker und Neider des Konzerns - und den Ärger, den sie dem erfinderischen Management machen.
Lange waren Apple  und Google die dicksten Freunde. Als Großabnehmer von Laptops dürfte Google der größte Unternehmenskunde von Apple sein. Und auf Apple-Produkten wie dem Betriebssystem Mac OS X und dem iPhone sind Suchdienste von Google voreingestellt. Doch mit der Patentklage von Apple gegen den taiwanesischen Handy-Produzenten HTC  hat sich das Verhältnis abgekühlt.
Auf den ersten Blick haben die Klage von Apple vor einem US-Bezirksgericht in Delaware und die Beschwerde vor der Internationalen Handelskommission (ITC) gegen HTC nichts mit Google zu tun. Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass Apple sich vor allem gegen das Handy-Betriebssystem Android wendet, das maßgeblich von Google entwickelt wurde.
HTC ist weltweit der wichtigste Hersteller von Android-Smartphones. Das Unternehmen bringt Telefone unter der eigenen Marke in die Läden, produziert aber auch das Google-Smartphone Nexus One, das von dem Suchmaschinen-Konzern direkt über das Internet vertrieben wird.
Apple wirft nun HTC vor, mit seinen Produkten gegen 20 Patente verstoßen zu haben. Eine Kernfunktion, um die es dabei geht, heißt "Multitouch", mit der man beispielsweise mit zwei Fingern auf dem Display in ein Dokument hineinzoomen kann. Noch heute unterscheidet sich das iPhone von den meisten Wettbewerbern durch die "Multitouch"-Funktionalität. Doch im Februar schaltete Google eine Funktion frei, die der "Multitouch"-Methode von Apple quasi entspricht.
Von HTC bis Nexus One Telefonieren mit Google
Im Kampf gegen Google scheut Apple nun den Frontalangriff und sucht sich einen auf den ersten Blick schwächeren Gegner aus. HTC ist zwar einer der erfolgreichsten Smartphone-Hersteller der Welt, verfügt allerdings nicht über die enormen finanziellen Mittel von Apple oder Google.
Doch ob Apple den Kampf gewinnt, ist völlig offen. Denn auch die Gegenseite verfügt über ein prall gefülltes Patentportfolio, so dass am Ende auch ein Kompromiss stehen könnte.
Vor allem in Deutschland ist der Ärger groß über diesen Dienst. Gegner fürchten um die Privatsphäre vieler Menschen, wenn Google ganze Städte und Gemeinden umfassend fotografiert und die Bilder ins Netz stellt.
Der Suchmaschinenkonzern geht in die Offensive. Trotz Kritik soll der Service in Deutschland in diesem Jahr eingeführt werden, sagte ein Konzernsprecher auf der Computermesse Cebit in Hannover. Die Fotos seien weitgehend geschossen. Der Dienst sei konform mit deutschem Recht. Autokennzeichen und Gesichter würden automatisch verpixelt, also per nachträglicher Bildbearbeitung unkenntlich gemacht.
Screenshot von Googles "Street View": Nutzer sollen sich ...   Screenshot von Googles "Street View": Nutzer sollen sich Städte virtuell ansehen können
Zudem sollen Häuser auf Wunsch der Bewohner oder Besitzer herausgenommen werden. Auch nachträgliche Beschwerden seien möglich. Sobald die Programme zum Widerspruch fertig geschrieben sind, soll Street View hierzulande an den Start gehen.
In den USA gibt es den in Google-Maps integrierten Dienst bereits seit 2007. Er zeigt Straße für Straße die Ansichten ausgewählter Städte und läuft schon für 19 Länder.
Doch deutsche Verbraucherschützer lassen nicht locker und fordern ein einfacheres Verfahren für Beschwerden gegen Street View. Wer keine Abbildung seines Hauses oder seiner Wohnung im Internet hinnehmen wolle, dem dürften keine zusätzlichen Mühen aufgebürdet werden, meint etwa der nordrhein-westfälische Verbraucherschützer Klaus Müller.
Dass man sich nicht nur selbst im Netz über eine mögliche Abbildung informieren, sondern auch eine präzise Lokalisierung des Objektes angeben müsse, sei nicht akzeptabel. "Damit zwingt Google jeden, der sich wehren möchte, über den bloßen Widerspruch hinaus aktiv zu werden", sagt Müller.
Laut Google haben in Deutschland bisher mehr als 1000 Bürger vorsorglich Einspruch gegen die Darstellung ihrer Häuser eingelegt.
Der große Knall kam Mitte Januar: Nach vierjähriger Präsenz in China platzte Googles Chefjustiziar David Drummond der Kragen. Im Internet kündigte er eine "neue Herangehensweise an China" an, so die Überschrift seines Blogeintrags.
Kursinformationen und Charts
  Google 609,85 USD  [3.08 +0,51%
  Microsoft 30,66 USD  [0.31 +1,02%
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Drummond beschwerte sich über groß angelegte Hackerangriffe, mit denen Betriebsgeheimnisse und Dissidenten-E-Mails ausgespäht würden. Zudem müsse die Zensur der Suchergebnisse endlich beendet werden.
Google werde seine Geschäftsbeziehungen in China überdenken - was letztendlich die Schließung der Seite Google.cn und der dortigen Büros zur Folge haben könnte.
Wochenlang verhandelten der Online-Konzern und die Regierung in Peking. Ohne Ergebnis, weshalb Google nun die Konsequenzen zieht: Die Amerikaner teilten in der Nacht mit, Besucher seiner chinesischen Suchmaschine Google.cn würden umgeleitet auf die unzensierte Seite Google.com.hk in der Sonderverwaltungsregion Hongkong.
Die Regierung in Peking reagierte empört. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zitierte einen Regierungsbeamten mit den Worten, Google habe "sein schriftliches Versprechen gebrochen". Der Stopp der Zensur der Suchbeiträge sei "total falsch".
Die US-Regierung bedauerte, dass China und Google den seit gut zwei Monaten anhaltenden Konflikt nicht beilegen konnten. Der Streit hatte zuletzt auch die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern belastet.
Der australische Medienunternehmer ist sauer auf Google und erwägt angeblich sogar einen Gang vor Gericht. Rupert Murdoch meint, das Angebot Google-News sei Diebstahl seiner Inhalte und betrachtet den Nachrichtenaggregator als Bedrohung für sein Unternehmen. Seiner Ansicht nach nutzt der Suchmaschinenkonzern Inhalte seines Unternehmens unrechtmäßig.
Google glaube das Recht zu haben, "unsere Nachrichten zu nehmen und für seine eigenen Zwecke zu nutzen, ohne auch nur einen Penny zu ihrer Erstellung beizutragen", hatte der Verleger Ende 2009 auf einer Veranstaltung gesagt. "Um es mal unhöflich auszudrücken: Das ist Diebstahl."
Rupert Murdoch will Geld von Google   Rupert Murdoch will Geld von Google
Logischer Schluss: Google solle für das Indizieren von Inhalten der News-Corporation-Medien, darunter beispielsweise das "Wall Street Journal", bezahlen, fordert Murdoch. Google lehnt das ab.
Eigentlich könnte Murdoch Google einfach den Zugang zu seinen Seiten verwehren. Technisch ist das ein Kinderspiel. Doch der Medienunternehmer legt es offenbar viel lieber auf einen medienwirksamen Krach an.
Ähnliche Kritik war auch schon aus deutschen Verlagen zu hören. Gegner dieser Sichtweise geben zu bedenken, dass Google mit seiner automatisch erstellten Nachrichtenwebsite Nutzer auf die Online-Seiten der Verlage lenkt, ihnen also Nutzer zuführt - und ihnen damit beispielsweise hilft, Anzeigenerlöse zu steigern.
Europa wird für den Internetkonzern zunehmend zu vermintem Gelände. Die EU-Kommission prüft, ob sie angesichts der Marktmacht ein förmliches Kartellverfahren eröffnen soll. Dann drohen Google hohe Bußgelder.
Die Kommission teilte Ende Februar mit, sie gehe gleich mehreren Beschwerden gegen den US-Suchmaschinenbetreiber nach: Das britische Preisvergleichsportal Foundem und die französische Suchmaschine Ejustice.fr werfen den Amerikanern vor, sie bei den Suchergebnissen zu benachteiligen. Nutzer würden stattdessen auf Googles konzerneigene Dienste gelenkt.
Eine dritte Beschwerde kommt von Microsoft - selbst seit vielen Jahren im Visier der europäischen Wettbewerbshüter. Microsofts Einkaufsportal "Ciao from Bing" moniert Preise und Knebelbedingungen für Googles Werbedienst Adsense.
Welch schweren Stand Google momentan in Europa hat, zeigte auch jüngst ein Urteil in Italien: Ein Mailänder Gericht verurteilte im Februar drei Manager des Konzerns zu sechs Monaten Haft auf Bewährung, weil sie die Veröffentlichung eines brutalen Videos nicht verhindert hätten.
Der Film zeigte, wie ein an Autismus leidender Junge an einer Turiner Schule von Jugendlichen schikaniert wird. Es war das erste Mal, dass Google für Inhalte auf seinem Videoportal haftbar gemacht wurde.
Auch der Dauerkrach zwischen Google und Microsoft schwelt weiter. Ausgangspunkt sind dieses Mal kurioserweise unbezahlte Rechnungen eines kleinen Google-Kunden. Die unbekannte Internetfirma schuldet dem Suchmaschinen-Primus 335.000 $ für Werbeanzeigen. Google reichte Klage ein und bekam eine Antwort, die das Unternehmen - wie es das "Wall Street Journal" vor einigen Tagen formulierte - nie erwartet hätte.
Denn prompt flatterte Google eine 24-seitige Wettbewerbsklage ins Haus, die der Suchmaschine in mehreren Punkten den Missbrauch ihrer Marktführerschaft vorwirft - abgeschickt von der Großkanzlei Cadwalader, Wickersham & Taft.
Es komme nicht jeden Tag vor, dass eine große Kanzlei aus Washington wie Cadwalader sich in eine Inkassoklage in Ohio einmischt, stellte Google trocken fest.
Der Verdacht: Microsoft steckt dahinter. Das "Wall Street Journal" nannte es einen "Stellvertreterkrieg", der da vom Zaun gebrochen worden sei. "Es ist klar, dass unsere Wettbewerber Gerichtsdokumente in aller Welt durchforsten, um dann selbst in die Klagen gegen Google einzusteigen", sagte ein Sprecher des Internetkonzerns. Ziel sei es letztlich, Informationen für eine breit angelegte Wettbewerbsklage zu sammeln.
Microsoft wies den Verdacht, dass der Software-Konzern hinter den Klagen steckt, als Unsinn zurück.
Das Ziel klingt groß. "Alle Bücher der Welt" wollte Google mit seinem Buch-Scan-Projekt frei zugänglich machen, doch auch dagegen regt sich international Widerstand. Ende Februar wurde zudem bekannt, dass Tausende teils prominente Autoren und Verlege aus den USA und Großbritannien das Projekt boykottieren wollen.
Gleichzeitig läuft in den USA ein juristisches Verfahren, das bisher noch nicht beendet werden konnte. Vor dem zuständigen Bezirksgericht in New York fand Mitte Februar eine Anhörung zum Abkommen zwischen dem Suchmaschinenkonzern und der amerikanischen Buchbranche statt. Mehr als 500 Stellungnahmen waren zu dem Streit eingereicht worden - zu viel für den Richter, der noch keine Entscheidung fällen konnte.
Literatur digital: Ein Screenshot der Webseite Books.google.com   Literatur digital: Ein Screenshot der Webseite Books.google.com
Kritiker werfen Google Urheberrechtsverletzungen vor. Amerikanische Verlage und Autoren hatten gegen das Vorhaben geklagt, nachdem Google Bücher in großem Stil eingescannt hatte. Ein daraufhin geschlossenes außergerichtliches Abkommen ist ebenfalls umstritten.
Google geht es auch darum, Bücher zu scannen und zu vertreiben, die vergriffen sind, aber bei denen das Copyright noch besteht. Die Einnahmen sollen mit Verlagen und Autoren geteilt werden.
(Mit Agenturen)
  • FTD.de, 23.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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