Eine US-Tochter des deutschen Medienkonzerns Bertelsmann hat aus Angst vor islamistischer Gewalt einen Roman über eine Ehefrau des Propheten Mohammed gestoppt. "The Jewel of Medina" ("Das Juwel von Medina") der Journalistin Sherry Jones sollte am 12. August vom Verlag Random House veröffentlicht werden. Verlagsmanager Thomas Perry teilte mit, sein Unternehmen sei nicht nur gewarnt worden, dass das Buch von einigen Muslimen als beleidigend aufgefasst werden könnte. Ein "kleines, radikales Segment" könne es auch zu Gewalttaten anstacheln. Die Veröffentlichung sei deshalb aus Sicherheitsgründen abgesagt worden.
Der Roman verfolgt das Leben von Aisha, einer von Mohammeds Ehefrauen, von ihrer Verlobung im Alter von sechs Jahren bis zum Tod des Propheten. "Ich habe absichtlich und bewusst mit Respekt über den Islam und Mohammed geschrieben", sagte Jones am Donnerstag. "Ich habe mir vorgestellt, dass mein Buch Brücken bauen würde." Es ist der erste Roman der 46-Jährigen. Ihr steht es Random House zufolge nun frei, einen anderen Verlag zu suchen.
In akademischen Foren und Blogs wird die Entscheidung hitzig diskutiert. In einigen Beiträgen wird sie in den Kontext mit der Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen gesetzt. In vielen islamischen Ländern war es 2006 zu gewalttätigen Kundgebungen gegen einen dänischen Künstler gekommen, dessen Zeichnungen den Propheten darstellten. Eine weitere Parallele bestehe zu dem islamkritischen Buch „Die Satanischen Verse“ des britischen Autors Salman Rushdie. Der wurde 1988 nach Erscheinen des Buchs vom damaligen iranischen Religionsoberhaupt Ajatollah Khomeini mit der Fatwa – dem Todesurteil – belegt.
Bertelsmann ist über seine Tochter Gruner + Jahr indirekt an der FTD beteiligt.