Lädt der segelnde und fliegende Oracle-Mitgründer Larry Ellison zu einer Pressekonferenz, herrscht immer viel Andrang und Aufregung im Silicon Valley. Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe hingegen mussten sich bei ihrer Erstaufführung als die neuen SAP -Chefs am Montag mit rund einem Dutzend Journalisten sowie einer Handvoll Branchenanalysten begnügen. Das "Wall Street Journal" etwa konnte sich nicht zum Kommen aufraffen - das Namensschild blieb am Empfang der SAP-Niederlassung in Palo Alto liegen.
Viel Neues war ohnehin nicht zu hören. Wie schon bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt auf der weltgrößten Technologiemesse Cebit in Hannover vor zwei Wochen verrieten McDermott und Snabe wenig Konkretes darüber, wie sie mit SAP einen besseren Kurs einschlagen wollen. Ihr gegen die Wirtschaftskrise kämpfender Vorgänger Léo Apotheker sorgte für unzufriedene Mitarbeiter und verärgerte Kunden und zu wenig Wachstum, weshalb er Anfang Februar gehen musste. SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner installierte die deutlich jüngere Doppelspitze aus McDermott (48), der sich vor allem um den Vertrieb kümmert, und Snabe (44), der hauptsächlich die Entwicklung im Visier hat.
Glaubt man den beiden, so hat Apotheker wenig falsch gemacht - die von ihm eingeschlagene Strategie werden sie beibehalten, der Fahrplan für die Produkte ebenfalls. Aber Kunden wolle man näher kommen und Mitarbeiter besser verstehen - und vor allem das Tempo, mit dem Innovationen bereit gestellt werden, soll deutlich schneller werden als es unter Apotheker war. All das versicherten sie am Montag in einem offenen Brief an die Kunden, all das versicherten sie vor Publikum im Silicon Valley. "Ich glaube nicht, dass wir in der Vergangenheit in dem Sinne viel Falsch gemacht, wir müssen es einfach schneller tun", sagte Snabe in Bezug auf die Innovation und die Einführung neuer Produkte. Kleinere, agilere Entwicklerteams sollen in kürzeren Abständen Produktneuheiten ausarbeiten, um den Kundenwünschen nachzukommen, so Snabe.
Bei aller Kontinuität will McDermott anscheinend aber doch mit der Vergangenheit brechen. "Der Punkt ist: Wie können wir das Unternehmen dazu bringen, radikal anders zu denken und Dinge radikal anders auszuführen ", sagte der frühere SAP-Amerika-Chef. Konkrete Angaben, wie dieser Umdenkprozess vonstatten gehen soll, machte er nicht.
Teil 2: Verschworenes Silicon Valley