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Merken   Drucken   23.08.2009, 18:58 Schriftgröße: AAA

Aus für Gratiszeitungen: Umsonst ist der Tod  

Europaweit rafft die Werbekrise Kostenlosblätter dahin. Das einstige Schreckgespenst der Verlagsbranche stürzt über das eigene Geschäftsmodell. Nach Deutschland wagt sich damit keiner mehr. von Lutz Knappmann
Der Spott des Rivalen ist beißend: Kaum hat Medienmogul Rupert Murdoch  am Donnerstag angekündigt, seine Londoner Gratiszeitung "The London Paper" einzustellen, da titelt der Erzrivale "Evening Standard" in großen Lettern: "Londoner Gratisblatt schließt" - und verschleudert seine sonst fünfmal so teure Ausgabe für 10 Pence. Möglichst viele Leser, so die schadenfrohe Begründung, sollen die Nachricht vom Tod des Murdoch-Gratistitels erfahren.
Es herrschen raue Sitten im Wettbewerb zwischen klassischen und kostenlosen Zeitungen. Das ist seit Jahren so. Doch in der Werbekrise haben sich die Vorzeichen dramatisch verändert: Einst von Verlagen als Totengräber der Zeitungsbranche gefürchtet, müssen nun europaweit immer mehr Gratisblätter schließen. Mit dem Zusammenbruch der Werbeeinnahmen schwindet ihre einzige Erlösquelle. "Das Geschäftsmodell ist gescheitert", sagt Veit Siegenheim, Medienexperte der Unternehmensberatung Accenture. "Die Werbeerlöse allein reichen selbst bei hohen Auflagen nicht, um die Kosten zu decken."
Mit "The London Paper" trifft es nun den Medienkoloss News Corp. 15 Mio. Euro Jahresverlust soll Murdochs Blatt zuletzt eingefahren haben. Gerüchten zufolge wackelt auch die lokale Konkurrenz "London Lite". Der Luxemburger Metro-Verlag, der europaweit Pendlerzeitungen vertreibt, schrieb 2008 ebenso Verluste. Im Frühjahr stellte er seine Ausgaben in Spanien ein, verkaufte seine italienischen Aktivitäten - und öffnete sich für eine Beteiligung des norwegischen Rivalen Schibsted. Der meldete fürs erste Quartal 2009 selbst einen Gewinneinbruch. In Dänemark machte vergangenen Herbst "Nyhedsavisen" dicht, dann gab in den Niederlanden "Dag" auf. Und in der Schweiz scheiterten die Gratisblätter "Cash daily" und ".ch".

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