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Merken   Drucken   10.11.2005, 13:57 Schriftgröße: AAA

Beck stellt sich hinter den Verkauf der Berliner Zeitung  

Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD), wies in seiner Eröffnungsrede zum 10. Mainzer Medien-Disput die Kritik an der Übernahme der "Berliner Zeitung" durch eine anglo-amerikanische Investorengruppe zurück. Mehrere Konferenz-Teilnehmer appellierten an die Medien, ihre Verantwortung ernster zu nehmen.
Ministerpräsident Kurt Beck wundert sich über die ganze Aufregung   Ministerpräsident Kurt Beck wundert sich über die ganze Aufregung
In einer schriftlich verbreiteten Rede zur Eröffnung des 10. Mainzer Medien-Disputs am Donnerstag sagte Beck: "Ich wundere mich ein bisschen über den Eifer derjenigen, die einen irischen Investor von vornherein kritisch betrachten, aber regelmäßig in Jubel ausbrechen, wenn die eigenen Verlagshäuser in Mittel- und Osteuropa, aber auch in Frankreich und Großbritannien kräftig einkaufen."
Beck hatte das Treffen im Mainzer ZDF-Konferenzzentrum wegen seiner Beteiligung an den Verhandlungen über die Bildung einer großen Koalition in Berlin nicht persönlich eröffnen können. Unter dem Leitthema "Medien in der Wertefalle" diskutieren etwa 700 Medienschaffende, Kritiker und Politiker unter anderem über Schleichwerbung, Ethik im Journalismus und neue Fernsehformate.
Verträge sollten freiwillig offen gelegt werden
Zum Auftakt appellierte der Vorsitzende der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz, Manfred Helmes, an die Privatsender, sich freiwillig zur Offenlegung von Vertragsbedingungen zu verpflichten, wenn der berechtigte Verdacht besteht, dass gegen rundfunkrechtliche Bestimmungen verstoßen wurde. Hintergrund sind unter anderem Schleichwerbungsvorwürfe gegen Sat.1.
Die evangelische Bischöfin Margot Käßmann verwies auf die "ungeheure Macht der Bilder", insbesondere im Fernsehen. Hier müsse darauf geachtet werden, dass die Menschenwürde nicht verletzt werde. Wenn etwa ein völlig erschöpftes Kind in einer Extremsituation noch im Dunkeln für das TV-Publikum gefilmt werde, "dann geht das zu weit". Auch sollten die Medien nicht "händeringend nach letzten Tabus suchen", die gebrochen werden könnten.
Die Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgebers Gesamtmetall, Heike Maria Kunstmann, verlangte von den Medien gerade bei komplizierten ökonomischen Sachverhalten eine "sachliche, ungeschönte" Darstellung. Auch die Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgebern sollten sich im Umgang mit den Medien ihrer Verantwortung bewusst sein und sachlich informieren statt laut und kämpferisch.
Mehr auf die Inhalte achten, weniger auf die Präsentation
Nach ihrer Beobachtung seien viele Journalisten erstaunlich gut über ökonomische Zusammenhänge informiert, stünden aber in ihren jeweiligen Medien unter dem Druck, eine "messbare" Leistung abzuliefern. So würden häufig um eines spektakulären Effekts willen Dinge miteinander verknüpft, die wenig miteinander zu tun hätten.
Auch der frühere Bundesminister und SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel rief die Medien dazu auf, journalistische Inhalte wichtiger zu nehmen als die Art der Präsentation. Es gebe eine gewisse Tendenz zur Banalisierung, Skandalisierung und teilweise auch der Brutalisierung. Zum anderen aber nehme die Zahl der Menschen zu, die sich wieder an Werten orientierten. Zum Leitthema des Mainzer Treffens sagte Vogel: "Die Werte werden sich nicht in der Falle festhalten lassen, sondern ihr gemeinsam mit den Medien entkommen."
  • dpa, 10.11.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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