Begehrte Website:AOL greift nach IT-Blog Techcrunch
Eine reichweitenstarke und angesehene Website, die neue Werbekunden verspricht: Der Internetkonzern verspricht sich viel von der Übernahme des IT-Blogs. Seit Jahren wirbt AOL um Techcrunch - nun könnte der Zukauf klappen.
von Björn MaatzHamburg
AOL steht offenbar kurz vor der Übernahme von Techcrunch. Der Zukauf könnte bereits am Dienstag auf einer Konferenz des renommierten IT-Blogs in San Francisco bekanntgegeben werden, berichtet das "Wall Street Journal" und beruft sich auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. Eine Techcrunch-Sprecherin wollte den Artikel nicht kommentieren. AOL äußerte sich nicht dazu.
Der Internetkonzern würde mit dem Zukauf bedeutenden Einfluss in der Internet-Community gewinnen und neue Werbekunden anlocken. AOL hatte bereits 2005 den IT-Blog Engadget gekauft. Im selben Jahr gründete sich Techcrunch - beide Portale zählen zu den einflussreichsten Plattformen in der globalen IT-Bloggerszene. Der Engadget-Konkurrent gilt schon lange als Übernahmeziel.
Medienberichten zufolge hat AOL bereits zweimal versucht, Techcrunch zu kaufen. Erst im vergangenen Jahr hatte Konzernchef Tim Armstrong angeblich knapp 25 Mio. Dollar geboten. Der Deal soll gescheitert sein, weil Techcrunch-Chefin Heather Harde ein paar Millionen Dollar mehr verlangt habe.
Techcrunch definiert sich über seinen Gründer
Der entscheidende Kopf von Techcrunch ist Gründer Michael Arrington. Fachmagazine wie "Wired" und "Forbes" zählen den 40-Jährigen zu den bedeutendsten Internet-Persönlichkeiten überhaupt. "Time" führte ihn 2008 unter den 100 einflussreichsten Menschen der Welt auf. Im vergangenen Jahr hatte Arrington seine Frustration übers Bloggen hinausposaunt und sich eine längere Auszeit gegönnt. Da sich Techcrunch - ähnlich wie Apple und Konzernchef Steve Jobs - stark über Arrington definiert, waren sofort nach dessen vorübergehendem Rückzug Übernahmegerüchte entflammt.
Michael Arrington gilt als einer der weltweit wichtigsten Internet-Entrepeneure
Für AOL wäre der Kauf von Techcrunch eine elegante Lösung, wieder mehr Einfluss im Internet zu gewinnen und das arg strapazierte Image aufzubessern. Im Jahr 2000 hatte der damals weltgrößte Internetkonzern das viel größere Medienunternehmen Time Warner für 165 Mrd. Dollar übernommen. Mit dem Börsengang Ende 2009 beendete AOL die teuerste und erfolgloseste Fusion zweier Medienkonzerne in der Geschichte.
Seit seinem Amsantritt Anfang 2009 hat AOL-Chef Armstrong dem Unternehmen einen Schrumpfkurs verordnet und unter anderem den Verkauf des Sozialen Netzwerks Bebo und des Chatdienstes ICQ angekündigt. Der frühere Google-Manager sieht AOL als Werbevermarkter und als Anbieter von Inhalten wie Nachrichten. Techcrunch könnte sich gut ins Portfolio einfügen - die Website ist etabliert, reichweitenstark und angesehen. AOL wiederum könnte das Konferenzengeschäft von Techcrunch besser vermarkten, mit dem der IT-Blog einen erheblichen Teil seiner Umsatzerlöse erzielt.
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