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Merken   Drucken   18.10.2005, 11:22 Schriftgröße: AAA

Berliner Verlagspoker ist so gut wie entschieden  

Ungeachtet heftiger Proteste hält der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag an seiner Absicht fest, die "Berliner Zeitung" an eine britische Investorengruppe zu verkaufen. Gewerkschaften, Medienpolitiker und Belegschaft wehren sich gegen den Plan.
Auflagen der Berliner Abozeitungen   Auflagen der Berliner Abozeitungen
Das Traditionsblatt "Berliner Zeitung" und die weiteren Teile des Berliner Verlags würden an das Konsortium um den Iren David Montgomery verkauft, wenn dieses sein Angebot auch am Ende einer vereinbarten Frist für exklusive Verhandlungen aufrechterhalte, sagte Verlags-Geschäftsführer Michael Grabner am Montagabend bei einer Betriebsversammlung vor mehreren Hundert Beschäftigten in Berlin. Die bereits im Juni vereinbarte Exklusivitätsfrist für Verhandlungen ende in zehn bis vierzehn Tagen, sagte Grabner nach Angaben von Teilnehmern.
Die Stuttgarter Verlagsgruppe von Holtzbrinck, zu der das "Handelsblatt", die "Wirtschaftswoche" und "Die Zeit" gehören, verhandelt über den Verkauf des profitablen Berliner Verlags, weil das Bundeskartellamt die Übernahme untersagt hatte. Holtzbrinck hatte den Berliner Verlag 2002 von der Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr gekauft, die auch an der FTD beteiligt ist. Holtzbrinck besitzt bereits den "Tagesspiegel" und würde mit der "Berliner Zeitung" dem Kartellamt zufolge in der Hauptstadt eine marktbeherrschende Stellung erlangen.
Kritik an Angeboten anderer Verlage
"Wenn am Ende der Exklusivitätsfrist das Angebot weiter so steht, dann werden wir an die verkaufen", sagte das Mitglied der Geschäftsführung, Jochen Gutbrod. "Wenn die ihre Versprechen einhalten, dann sind wir gebunden." Die Angebote anderer Verlage bewerteten die Holtzbrinck-Manager den Teilnehmern zufolge indirekt als wenig glaubwürdig.
Der norwegische Medienkonzern Orklar etwa habe kein qualifiziertes Angebot abgegeben, sagte Grabner. Auch zum Kölner Verlagshaus DuMont äußerte sich Gutbrod kritisch: "Als wir ein Angebot gebraucht hätten, im Juni, konnte DuMont uns keins geben." Das bekundete Interesse anderer Interessenten als des Konsortiums um Montgomery sei ein "gefahrloser Weg, um sich gute Pressepunkte zu holen", sagte Grabner mit Blick auf die Kritik an dem geplanten Verkauf an die Investoren.
Redaktion kontra Investoren
In Medienberichten war von einem Kaufpreis zwischen 150 und 180 Mio. Euro die Rede gewesen. Gewerkschaften, Medienpolitiker und Belegschaft wehren sich gegen den Verkauf an das Investorenkonsortium aus der Beteiligungsgesellschaft Mecom, der Investmentgesellschaft 3i und der Investmentfirma Veronis, Suhler, Stevenson (VSS). Die Beschäftigten fordern einen Verkauf an einen Verleger und nicht an ausschließlich profitorientierte Investoren.
Als Entscheidungskriterien für den Verkauf nannten die Verlagsmanager die Seriosität des Käufers, die Bereitschaft, sich langfristig am Standort Berlin zu engagieren, eine Qualitätsorientierung, die Zusicherung, dass der Verlag nicht lediglich als Filiale weitergeführt werde, und "natürlich auch der Kaufpreis", sagte Grabner, der sich gegen die Kritik am Verlegerkonsortium wandte: "Die Argumente gegen die Investoren sehe ich nicht."
  • Reuters, 18.10.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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