Leitartikel
Apples Bedingungen klingen so einfach wie erpresserisch: Verlage, die die lukrative Gruppe der iPad- und iPhone-Nutzer erreichen wollen, dürfen ihre Inhalte einzig über Apples digitalen Kiosk, den App-Store, anbieten. Doch die Medienhäuser sollten sich ihrer Macht bewusst sein.
Bis Sommer haben die Verlage nur noch Zeit, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Von jedem digitalen Zeitungs- oder Zeitschriftendownload behält der US-Konzern dann ein Drittel des Umsatzes ein, und die Kundendaten bleiben ebenfalls bei Apple. Konstruktionen, mit denen die Verlage das auszuhebeln versuchen, müssten dann eingestellt werden.
Apples Schritt ist aus Unternehmenssicht verständlich: Der Konzern will sich das eigene Geschäftsmodell nicht unterminieren lassen. Mobilgeräte wie das iPad und das iPhone sind Hoffnungsträger der Verlage, die damit kostenpflichtige Inhalte an neue Leser bringen und der Kostenloskultur im Internet den Garaus machen wollen.
Für die betroffenen Unternehmen geht es nun um eine Grundsatzentscheidung: Entweder kapitulieren sie vor Apples Marktmacht - oder sie bleiben hart, hoffen auf bessere Konditionen und stürzen sich auf die steigende Zahl der Nutzer von Android-Geräten.
Der US-Konzern ist aber auch auf die Inhalteanbieter angewiesen, um für die eigenen Nutzer attraktiv zu bleiben. Die Verlage sind daher auf längere Sicht keineswegs so machtlos, wie es derzeit noch scheint. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Apple und ihnen ist gegenseitig.
Apples Erfolgsgeschichte
Daher sollten sich die Verlagshäuser nicht unter Druck setzen lassen. Über eigene Plattformen könnten sie weiter auf Kundendaten wie Alter oder Leseverhalten zugreifen. Denn letztlich zählt für den Nutzer nur, dass er an die Angebote kommt, egal über welche Plattform. Allerdings: Um gegen Apples Dominanz anzukommen, müssten sich die Verleger auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und sich auch daran halten - anders als in der Vergangenheit.
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