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Merken   Drucken   09.06.2009, 10:35 Schriftgröße: AAA

Blockadesoftware: China will PC-Hersteller zu Zensoren machen  

Zur Sicherung ihrer Macht unterdrückt die Regierung in Peking Meinungsvielfalt. Das Internet ist ihr besonders ein Dorn im Auge. Künftig sollen Computer nur noch mit Software-Sperre verkauft werden, die den Zugriff auf bestimmte Websites verhindert. Produzenten sollen das fragwürdige Vorgehen unterstützen - verlangt China. von Jörn Petring (Hamburg)
Darüber habe die chinesische Regierung die großen PC-Hersteller weltweit bereits informiert, heißt es in einem Bericht des "Wall Street Journal" vom Montag. Offiziell soll die Vorschrift, die ab dem 1. Juli in Kraft treten soll, die chinesische Jugend vor pornografischen Internetinhalten schützen. Kritiker vermuten jedoch, dass durch das Programm auch die Zensur von regierungskritischen Websites vorangetrieben wird.
Die neue Vorgabe versetzt die großen Computerhersteller in einen ethischen Konflikt. Liefern sie ihre Geräte mit der geforderten Zensur-Software aus, unterstützen sie die von anderen Regierungen und von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisierte Blockade von Internetinhalten in China. Protestieren die Anbieter gegen die Regelung, riskieren sie ihren Zugang zu einem der größten Absatzmärkte für Computer weltweit.
Mit dem gleichen Problem mussten sich vor Jahren bereits die großen Suchmaschinenanbieter auseinander setzen. Nur jene, die einwilligten, die aus Regierungssicht kritischen Seiten aus ihren Suchverzeichnissen zu löschen, durften ihren Dienst in China aufbauen. Chinesen, die seitdem etwa bei Google  Informationen über das Massaker auf dem Pekinger Platz des himmlischen Friedens vor 20 Jahren suchen, gehen leer aus - was der Suchmaschine in westlichen Ländern einen erheblichen Imageschaden zugefügt hat.
Auch die Computerhersteller scheinen nun klein beizugeben: Man arbeite mit den Regierungsbehörden zusammen und evaluiere das bestmögliche Vorgehen, erklärte eine Sprecherin von Hewlett-Packard  (HP), dem größten Computeranbieter auf dem chinesischen Markt. Dabei werde man sich bemühen, eine gute Lösung für den Kunden zu liefern und gleichzeitig den Auflagen der Regierung zu entsprechen. Der Computerbauer Dell  wollte sich bisher zur neuen Zensur-Software nicht äußern.
Schon heute durchstöbern in China 40.000 Beamte das Netz nach kritischen Inhalten und lassen reihenweise Websites verbieten. Dabei haben sie aber immer mehr Schwierigkeiten, gegen das Tempo anzukommen, mit dem die etwa 300 Millionen Internetnutzer täglich neue Informationen ins Netz stellen.
  • Aus der FTD vom 09.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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