Die Behörde wird voraussichtlich Plänen von Kommissarin Viviane Reding grünes Licht geben, wonach unter anderem Produktplatzierung in europäischen Fernsehprogrammen grundsätzlich erlaubt sein soll. "Frei ausgestrahltes Fernsehen gibt es nicht ohne Werbung", sagte Reding, die für die Medienindustrie verantwortlich ist, am Montag der FTD. "Deshalb brauchen wir dafür Regeln, und die müssen einfach und nicht belastend sein."
Die Kommissarin kommt mit ihrem Vorhaben der Werbeindustrie und den Privatsendern entgegen. Schon seit längerem fordert die Branche mehr Freiheiten bei der Werbung. Die EU würde sich mit den neuen Regeln an die USA annähern, wo es schon heute kaum Beschränkungen für Produktplatzierung und Werbespots gibt. In Deutschland sind die Pläne besonders umstritten - zumal nach dem Skandal um Schleichwerbung in der ARD-Serie "Marienhof" vor einigen Monaten.
Redings Vorschlag für eine EU-Richtlinie sieht vor, dass Unternehmen künftig gegen Geld ihre Produkte im regulären TV-Programm platzieren lassen können. Allerdings müssten die Sender etwa im Vorspann einer Sendung darauf hinweisen. Bei Nachrichten, politischen Magazinen und Kindersendungen soll Produktplatzierung verboten bleiben.
Werbeblöcke sollen aufgebrochen werden
Darüber hinaus will die Luxemburger Kommissarin die bisher üblichen Werbeblöcke aufbrechen. Fernsehsender sollen weitgehend selbst entscheiden können, wann und wie oft sie Spots senden. Bleiben soll es bei der bisherigen Regel, dass Sender pro Stunde maximal zwölf Minuten Werbung bringen dürfen.
Mit der Lockerung will Reding die europäischen Fernsehsender und die TV-Produktionsfirmen stärken. Vor allem Privatsender haben seit Jahren mit dem Einbruch des klassischen Werbegeschäfts zu kämpfen. "Ich will eine starke europäische Industrie", sagte Reding. Ziel seien mehr Wachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Die Kommission überarbeitet mit der Richtlinie Regeln aus dem Jahr 1989. Der Entwurf muss noch von den EU-Regierungen und dem Europäischen Parlament gebilligt werden. Kritiker warnen davor, die Trennung von Werbung und Programm aufzuheben.
"Heute herrscht bei Produktplatzierung Anarchie", verteidigte Reding ihre Pläne. Deshalb wolle sie klare, einheitliche Regeln. Dies solle Rechtssicherheit schaffen und auch den Konsumenten zugute kommen. "Die Verbraucher werden darüber informiert werden, dass Produktplatzierung stattfindet", sagte Reding.