Das ist das Problem unser heutigen Zeit: Wir sind so festgelegt und festgefahren, mit jeder Entscheidung schlagen mehr Türen zu, als sich öffnen. Es geht früher los, als wir glauben! Es wird meinem Sohn schwerfallen, auf öffentliche Betreuung umzusatteln.
An diese Geschichte musste ich denken, als am Dienstag der stellvertretende Chefredakteur in mein Zimmer kam und mir eine Flasche Champagner überreichte. Ich war halb erschrocken, halb erfreut. Hatte ich eine Geschichte ohne Fehler recherchiert? Einen Skandal aufgedeckt? Nichts dergleichen. Die Flasche war zum fünfjährigen Dienstjubiläum. Fünf Jahre! Für andere ein Wimpernschlag, für mich eine Ewigkeit.
Ein Jubiläum lässt ein zwiespältiges Gefühl zurück. Ich freute mich, dass "die da oben" mich noch auf dem Schirm haben. Selbst wenn es nur der Chefredakteursbildschirm ist, auf dem ein Alarmlämpchen mit der Meldung "Buttlar/5" blinkt. Andererseits: Was denken sich die Chefs bei einem Jubiläum? "Fünf Jahre! Hoffentlich will er jetzt nicht wechseln." Oder: "Auch schon fünf Jahre hier, der Buttlar. Wird langsam Zeit ..." Oder schlimmer: "Fünf Jahre. Was hat der die ganze Zeit eigentlich gemacht?"
Vielleicht hat die Personalabteilung kleine Akkusymbole, die sie hinter die Namen setzt, und nach fünf Jahren wird aus dem vollen Akku ein Dreiviertelakku. Und nach zehn Jahren ein halber. Vielleicht nennen sie mich bereits heimlich "ausgebrannter Greis". Furchtbar. Es geht zu Ende.
Während ich die Schampusflasche in einem Zug leerte, wurde mir bewusst, dass ich gefangen bin. Ich werde aus diesem Beruf nicht mehr rauskommen. Wenn mein Sohn mit 18 Monaten als Quereinsteiger gilt, sind für mich so etwas von viele Türen zu und Züge abgefahren, dass einem schlecht werden kann.
Wie schön war die Zeit, als man in Berufsinformationszentren seine Zukunft entwarf! Ich erinnere mich, dass bei dem Test eines Freundes die Empfehlung "Bademeistergehilfe" herauskam. Ich dachte damals: "Das ist bitter." Nun weiß ich: Ich werde meinem Sohn verbieten, Journalist zu werden. Nach fünf Jahren alles vorbei.