Dank Tablet-Computer und Smartphones wird die Arbeitswelt immer mobiler. Dadurch gewinnen auch die Themen Cloud-Computing und Sicherheit für mobile Endgeräte zunehmend an Bedeutung. FTD.de präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe zur diesjährigen IT-Messe.
Sven Fajfar ist in diesem Punkt nicht zu bewegen: "Die Cloud überzeugt von der Struktur her nicht", sagt er. Fajfar ist kein Technikmuffel. Als Gründer und Geschäftsführer des App-Entwicklers Devision Coding in Offenbach kennt er sich durchaus mit modernen Informationstechnologien aus, privat nutzt er sein iPhone mit Kalenderfunktionen im Internet und den Cloud-Dienst Dropbox - und trotzdem: "Ich als Mittelständler möchte meine IT oder sensible Firmendaten nicht in externe Hände geben." Warum das so ist, kann Fajfar gar nicht genau sagen: "Ich kann die Thematik nicht greifen, das ist das größte Problem für mich", sagt Fajfar.
Daten von Mitarbeitern oder Kunden auf fremden Servern lagern? Wie Fajfar denken viele kleine Unternehmer, das zeigt eine aktuelle Studie von Dell und Intel. 28 Prozent der 1500 Befragen lehnen solche Dienste ab, 35 Prozent haben sich noch überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigt. Die Umsätze mit Cloud-Computing - Softwareprogramme, aber auch Speicherplatz, die auf Server ausgelagert und dort von Dritten gemanagt werden - wachsen zwar, wie die aktuellen Daten des Branchenverbands Bitkom nahelegen. Doch es gibt nach wie vor etliche Firmen, die zaudern.
"Alle haben eine unglaubliche Angst, wenn es um die Sicherheit ihrer Daten geht. Das hemmt die Entwicklung. Innovations- und Sicherheitsdrang kollidieren", sagt Bernhard Kraft, der als Accenture-Geschäftsführer im Bereich Technologie Unternehmen bei Outsourcingprojekten berät. Hackerangriffe, Serverausfälle und Nachrichten über immer neue Sicherheitslücken verschärfen das Problem. "Die Unsicherheit wird insbesondere spürbar, wenn sich Mittelständler mit dem Thema Cloud-Computing beschäftigen", sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf: "Jeder Vorfall, der Vertrauen erschüttert, wirft Unternehmen in ihren Entscheidungen zurück", sagt Kempf, der gleichzeitig Chef der IT-Firma Datev ist, die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer als Kunden hat.
Wie weit die anfänglichen Erwartungen teilweise zurückgeschraubt wurden, zeigt das Beispiel SAP . Vor fünf Jahren pries der Softwarekonzern seine Mietsoftware für den Mittelstand an, wollte bis 2010 rund 10.000 neue Kunden gewinnen und zusätzlich 1 Mrd. Euro Umsatz generieren. Im Januar verkündeten die SAP-Chefs, dass gerade 1000 Mittelständler die Software verwenden. 18 Mio. Euro Umsatz spielten die Cloud-Dienste 2011 ein.
Es sind vor allem Fragen zu Rechtssicherheit und Datenschutz, die Kleinunternehmer wie Fajfar überfordern, für ihn sind zu viele Dinge ungeklärt. "Ich kann überhaupt nicht sagen, wo das Sinn macht", sagt er. "Da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig."
Teil 2: Wenn rationale Argumente wenig helfen