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  FTD-Serie: IT-Grenzgänger

Microsoft, Apple und Google - Software, Hardware, Internet. Diese Gleichung gilt längst nicht mehr. Die Konzerne sind auf gutem Weg, austauschbar zu werden. Ihre Rivalen müssen sich Trends anpassen, die das Tech-Trio setzt.

Merken   Drucken   06.02.2010, 10:00 Schriftgröße: AAA

Cloud-Computing: Durchstarten in die Wolke

Die Verlagerung von Rechenleistung oder Datenspeicherung auf externe Computer ist einer der wichtigsten IT-Trend. Microsoft hatte ihn - wie auch das Internet - lange verschlafen und geht deshalb mit umso mehr Vehemenz gegen Google an.
von Helene Laube, San Francisco

Das Trendthema Cloud-Computing - die Nutzung von Software, Rechen- oder Speicherkapazität über das Internet - überließ der Microsoft-Chef lange anderen - Google oder Amazon etwa. In mehr als drei Jahren Entwicklungsarbeit hat der weltgrößte Softwarekonzern aber ein ehrgeizigeres Angebot als Google  aufgebaut, das nun startbereit ist. Damit könnte Microsoft  dem Suchmaschinenkonzern bei Unternehmenskunden den Rang ablaufen. "Der große Wandel, der zurzeit stattfindet, ist der Wechsel in die Wolke", hat jetzt schließlich auch Steve Ballmer begriffen.

Drei preschen vor - drei hinken hinterher   Drei preschen vor - drei hinken hinterher

Die Azure-Plattform umfasst weite Teile der Informationstechnologie: Unternehmen können Rechenleistung, Speicherplatz oder die Entwicklung und den Betrieb von Anwendungen via Internet in die Rechenzentren des Softwarekonzerns auslagern. Analysten zufolge hat Azure einen großen Vorteil gegenüber Google. Im Gegensatz zu Apple und Google hat der Softwarekonzern die größte Erfahrung in Bezug auf Unternehmenskunden. "Microsoft versteht, dass Sicherheit, Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und all die anderen für Unternehmenskunden wichtigen Aspekte eingebaut sein müssen", so Joshua Greenbaum von der IT-Beratungsfirma Enterprise Applications Consulting. Anders als Google lebt Microsoft laut Greenbaum seit Jahrzehnten in den IT-Abteilungen von Konzernen und betreibe mit seinen Produkten manche der weltgrößten Datenbankinstallationen. "Das können die relativ jungen Anbieter von Cloud-Computing für Verbraucher schlicht nicht bieten", so der Analyst.

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Rund 160 Mrd. $ werden im Jahr 2011 für Cloud-Computing ausgegeben werden, glaubt gar die Investmentbank Merrill Lynch. Bis Microsoft abkassieren kann, werden jedoch etliche Jahre vergehen. "Wir werden nicht morgen die Hälfte unseres Umsatzes mit der Cloud bestreiten", sagte Microsoft-Manager Bob Muglia. "Aber vielleicht in zehn Jahren", hofft er.

Microsoft hat den Einstieg ins Cloud-Computing lange hinausgezögert - aus Angst, sein lukratives Lizenzgeschäft mit auf PC und Server gespeicherten Betriebssystemen und Büropaketen zu kannibalisieren. Cloud-Angebote sind günstiger als Softwarelizenzen. In der Welt der Privatanwender sind sie oft umsonst und werbefinanziert. Viele Privatanwender nutzen längst Cloud-Angebote. Dazu gehören E-Mail-Dienste wie Hotmail von Microsoft, die Bürosoftware Google Apps oder Googles Fotodienst Picasa.

Google versucht, mit dem kostenlosen Google Apps Computernutzer von Microsofts Office-Paket wegzulocken. Um gegenzusteuern, startet Microsoft dieses Jahr mit einer abgespeckten Webversion von Office. Google versucht aber auch, mehr Unternehmen und Behörden zum Umstieg von Microsoft Office auf Google Apps zu bewegen. Microsoft Unternehmenskunden abzujagen fällt dem Suchmaschinenbetreiber schwer, obwohl er mit deutlichen Kostenvorteilen werben kann. Die berüchtigte Datensammelwut hat Googles Image nicht zum Vorteil verändert. Und beim Cloud-Computing geht es vor allem um eins: Vertrauen.

Bislang beschränkte sich die Cloud-Funktion von Apples iWork-Paket auf den Austausch von Dateien. Aber der Konzern soll rund 1 Mrd. $ in ein gigantisches Rechenzentrum in North Carolina investieren, ist zu hören. Es wird spekuliert, dass die Anlage Serverkapazitäten schaffen soll für eine mögliche Webversion der Apple-Bürosoftware.

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  • FTD.de, 06.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
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