Second Life war vor sechs Jahren im Internet der absolute Hit. Nutzer stürzten sich in den Cyberspace und handelten mit virtuellen Gütern - bis die Blase platzte. Nun melden sich die Betreiber zurück und wollen einen neuen Hype entfachen.
von Arndt OhlerHamburg
Second Life? Das zweite Leben in einer virtuellen Realität. Gefeiert als das neue Internet implodierte der Cyberspace wenige Jahre nach dem Start. Für Schlagzeilen sorgten Glückspiel, Geldwäsche und fliegende Penisse. Nun wagt der Betreiber Linden Lab einen neuen Anlauf in virtuelle Welten.
Linden-Lab Chef Rod Humble
Die Firma aus San Francisco hat das Unternehmen Little Text People gekauft. Das Startup ist nach eigenen Angaben darauf spezialisiert, das Sozialverhalten und individuelle Persönlichkeiten virtuell zu simulieren. Anstatt jedoch mit dieser Technologie Second Life aufzurüsten, scheint das Unternehmen die eigene Kreation nicht weiter pflegen zu wollen. Linden Lab werde neue eigenständige Unterhaltungsangebote noch in diesem Jahr starten, kündigte Linden-Lab-Chef Rod Humble vergangene Woche an. Die Technik von Little Text People sei dafür ein Baustein.
Es sah lange Zeit gut aus für das Paralleluniversum von Linden Lab. Ein Wachstum von jährlich nahezu 100 Prozent, umgerechnet 50 Mio. Dollar, die monatlich in einer virtuellen Währung den Besitzer wechselten. Insgesamt eine Summe von 1 Mrd. Dollar, die in Second Life für virtuelle Güter und Dienste ausgegeben wurden. Doch die Welt vernetzt sich mittlerweile über Facebook. Dorthin zieht es auch Unternehmen wie Coca-Cola oder Nike, die noch vor wenigen Jahren von Second Life als Goldgrube schwärmten. Ausgefeilte Videospiele laufen auf Handys oder im Webbrowser auf dem Computer. Für den Cyberspace von Linden Lab mit seiner veralteten Technik und Optik gibt es keinen Platz mehr. Die Übernahme von Little Text People in der vergangenen Woche markiert wohl das endgültige Ende der hochfliegenden Pläne von Linden-Lab-Gründer Philip Rosedale. Der Amerikaner sitzt mittlerweile im Aufsichtsgremium seines Unternehmens.
Um ihn und seine Firma war es schon lang still geworden. Vor dem jüngsten Zukauf hatte sich Linden Lab das letzte Mal 2010 an die Öffentlichkeit gewandt: Ein Drittel der Stellen baute das Unternehmen ab. Mit Humble kam von dem US-Videospielehersteller Electronic Arts (EA) ein neuer Chef - der dritte in knapp zehn Jahren.
Fast genau ein Jahr nach seinem Start setzt Humble das fort, was er bei seinem früheren Arbeitgeber getan hat. Die zugekaufte Softwaretechnik soll Computerfiguren eine Persönlichkeit einhauchen und menschliches soziales Verhalten simulieren. Wie viel Geld sich Linden Lab den Neustart kosten lässt, teilte das Unternehmen nicht mit. Humble war bei EA mitverantwortlich für die Entwicklung der Gesellschaftssimulation "Sims". Spieler können dort eigene Figuren kreieren und simulieren das Leben in Familie und Gesellschaft.
Trotz Absturz sind die Ambitionen von Linden Lab mindestens so groß wie in alten Zeiten: "Das Ergebnis des Investments wird eine neue Art digitaler Unterhaltung, die den Roman modernisieren wird als eine von vielen erzählte Erfahrung."
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