Es sah ganz nach einer weiteren Dotcom-Blase aus: Das amerikanische Onlineradio Pandora Media ging an die Börse. Die Nachfrage war riesig, obwohl der Sender Verluste machte. Der Kurs schoss bei seinem Handelsdebüt vom Ausgabepreis mit 16 Dollar zunächst auf 26 Dollar in die Höhe. Doch dann ging es rapide bergab. Am Freitag notierte das Papier bei noch 13,40 Dollar - das entspricht einem Verlust von fast 50 Prozent in nur drei Tagen. Ein Analyst sieht das Kursziel sogar bei 5,50 Dollar.
Einigen Experten zufolge demonstriert dieser Flop, dass wieder Vernunft in den IPO-Markt eingekehrt ist. "Pandora zeigt, dass der Markt eine Quittung verpasst, wenn ein Unternehmen bei seinem IPO immer noch kein tragfähiges Geschäftsmodell vorweisen kann", sagte Bruce Taragin von Blumberg Capital. "Ich bin erleichtert, dass es an der Börse keinen irrationalen Eifer gab."
Pandora ist bereits die dritte Emission, die nach einem Hype in schweres Fahrwasser geriet: Die Aktien des chinesischen Facebook-Konkurrenten Renren und des sozialen Karrierenetzwerks Linkedin , die im Mai ihr Debüt gaben, brachen ebenfalls nach einem zunächst starken Auftakt ein. Es dauerte bei ihnen nur etwas länger als bei Pandora Media. Während Linkedin noch über seinem Ausgabepreis notiert, hat sich der Wert von Renren seit dem Börsengang halbiert.
IPO-Analyst Josef Schuster von IPOX sagte, dass der Rückzug der Investoren von Pandora Media und anderen Webfirmen ein "Heilungsprozess" sei, der den Märkten für Technologie-Börsengänge in den kommenden Wochen helfen sollte. Als nächster großer Börsengang aus dem Onlinebereich wird das US-Schnäppchenportal Groupon erwartet. Es will bis zu 750 Mio. Dollar von den Anlegern einsammeln. "Für den Markt insgesamt ist die Pandora-Vorlage ziemlich gut. Groupon dürfte wesentlich billiger werden. Ich denke, dass es auch einen großen Einfluss auf die Bewertung von Facebook haben wird", sagte Schuster.
Teil 2: Warnschuss für junge Unternehmen