Screenshot von mgno.com
"Nach dem Hurrikan war das Internet für uns die einzige Möglichkeit zu kommunizieren und Informationen zu bekommen", sagt Sigmund Solares, Chef des Internetunternehmens Intercosmos in New Orleans. Auf Computern im Rechenzentrum der Firma hostet Intercosmos rund 800.000 Kunden-Websites.
Mit Hilfe eines 750-Kilowatt Diesel-Generators haben Solares und seine Mitarbeiter es geschafft, die Computer trotz Sturm und Überschwemmungen am Laufen und online zu halten. Sie hatten sich noch vor dem Sturm Diesel-Kraftstoff, Wasser und Lebensmittel organisiert und warteten zu viert im zehnten Stock eines Hochhauses auf den Hurrikan.
Auf einem der Computer im Rechenzentrum betreibt Mitarbeiter und Krisenmanager Michael Barnett ein Onlinetagebuch, ein so genanntes Weblog oder Blog. Was als persönliches Tagebuch mit dem Eintrag: "Dieser Sturm wird möglicherweise ganz schön scheußlich" startete, wurde während der vergangenen zehn Tage zu einer wichtigen Informationsquelle für Internetnutzer.
"Es gibt keine Ordnung"
Bis zu 800.000 Besucher kamen nach dem Hurrikan täglich auf die Website www.mgno.com. Und noch immer sind es Tag für Tag 300.000, die die Augenzeugenberichte von Barnett, Solares und weiteren Kollegen lesen. Sie betrachten die mehr als 10.000 Fotos oder blicken durch eine Live-Videokamera hinaus in eine der Straßenschluchten von New Orleans.
"Alle Informationen, die wir bekommen können, stellen wir online", sagt Solares. So erfuhr man in dem Weblog von brennenden Häusern, dem Fernbleiben von Hilfkonvois kurz nach dem Hurrikan und der Gewalt, die in New Orleans ausbrach.
"Das ist ein Zoo da draußen, macht keinen Fehler. Das ist Herr der Fliegen. Das bedeutet nicht, dass an jeder Ecke ein Mörder steht. Aber es bedeutet: Das Recht ist kollabiert, es gibt keine Ordnung, keine Eigentumsrechte. Jeder auf der Straße läuft Gefahr ausgeraubt und getötet zu werden. Ja, es ist so schrecklich", lautet ein Eintrag vom 1. September.
Inzwischen sei es ruhiger und sicherer in der Stadt, sagt Solares. Dass New Orleans nun geräumt werden soll, erschreckt ihn nicht. "Die Sicherheitskräfte wollen, dass wir bleiben", sagt er. Sie hätten sogar dabei geholfen, Diesel zum Generator zu bringen. Solares hat sein Team am Mittwoch zurücklassen, um nach einem neuen Ort für die Server zu suchen. Bis dies geschehen ist, bleibt Barnetts Weblog möglicherweise das einzige Onlinetagebuch, das nicht nur in New Orleans geschrieben, sondern auch gehostet wird.