Experten halten die Gesichtserkennung für einen besonders weitgehenden Eingriff in die persönliche Freiheit: "Diese Funktion ist ein erster Schritt in Richtung Ende der Anonymität in der Öffentlichkeit", sagte der FDP-Politiker Jimmy Schulz. Jens Nebel, Fachanwalt für IT-Recht bei der Wirtschaftskanzlei Kümmerlein, sagte: "Das Risiko bei jeder biometrischen Datensammlung ist: Wenn sie erst einmal da ist, kann sie zweckentfremdet werden." Das gelte für Facebook wie für Behörden, die beispielsweise auf Passfotos oder Aufzeichnungen von Überwachungskameras zugreifen.
Auch Facebooks Vorgehen sorgt für Ärger: Die Gesichtserkennung wurde eingeführt, ohne die Nutzer zu informieren, und ist automatisch aktiviert. Wer sie nicht will, muss sie ausschalten ("Opt-out"). Nebel hält das für rechtlich fragwürdig: "Eine Opt-out-Option ist grundsätzlich in Ordnung - aber man muss dem Nutzer die Änderung klarmachen und darf sie nicht in einem Untermenü verstecken."
Man wolle nur das Markieren von Fotos erleichtern, teilte Facebook mit - allerdings erst, nachdem die IT-Sicherheitsfirma Sophos über die Freischaltung berichtet hatte. Ein Facebook-Sprecher sagte, das Unternehmen hätte "deutlicher machen sollen, dass die Funktion nun zur Verfügung steht".