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Merken   Drucken   08.06.2011, 22:13 Schriftgröße: AAA

Datenhunger: Facebook-Gesichtskontrolle löst Proteststurm aus

Die deutsche Facebook-Version erkennt Nutzer ab sofort auf Fotos - Datenschützer sind empört. Das Vorgehen des Konerzns schürt die Angst, dass Facebook seine ohnehin gigantische Datensammlung um biometrische Informationen ergänzt.
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Die deutsche Facebook-Version erkennt Nutzer ab sofort auf Fotos - Datenschützer sind empört. Das Vorgehen des Konerzns schürt die Angst, dass Facebook seine ohnehin gigantische Datensammlung um biometrische Informationen ergänzt. von Nora Schlüter, Hamburg, Friederike von Tiesenhausen  Berlin und Helene Laube, San Francisco
Das weltgrößte Onlinenetzwerk Facebook sorgt mit seinem Datenhunger erneut für Empörung. Datenschützer protestierten gegen eine unangekündigt eingeführte Funktion, die automatisch Gesichter auf Fotos von Facebook-Nutzern erkennt. Eine EU-Arbeitsgruppe will die Funktion und das Vorgehen bei ihrer Einführung untersuchen. US-Verbraucherschützer bereiten eine Beschwerde bei der Handelskommission FTC vor.
Facebooks Vorpreschen schürt die Angst davor, dass die ohnehin gigantische Datensammlung des Konzerns auch noch um biometrische Informationen ergänzt wird. Firmen könnten mithilfe solcher Angaben Werbung passgenau auf einzelne Facebook-Mitglieder zuschneiden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass einst mit Schnappschüssen fremder Menschen persönliche Informationen über sie bei Facebook gefunden werden können. Noch ist der Gesichtsabgleich auf Facebook-Freunde beschränkt.
Ist das Mark?   Ist das Mark?
Solche Vorbehalte hatten andere Konzerne bislang zur Zurückhaltung bei der Gesichtserkennung gezwungen: Google, Apple oder Adobe bieten zwar entsprechende Software an - sie funktioniert jedoch nur offline mit der eigenen Fotosammlung. Durch die Initiative der Branchengröße Facebook könnte der Online-Gesichtsabgleich nun auch für Konkurrenten attraktiv werden.
Bereits im Dezember hatte das soziale Netzwerk den Dienst vorgestellt, der auf neu hochgeladenen Bildern nach Gesichtern von Facebook-Freunden sucht und vorschlägt, diese zu markieren. Zuerst lief er nur in den USA, nun wurde er in anderen Staaten freigeschaltet, darunter Deutschland.
Ist das Albert?   Ist das Albert?
Facebook entzieht seinen weltweit bald 700 Millionen Mitgliedern durch immer neue Funktionen und geänderte Nutzungsbedingungen zunehmend die Kontrolle über ihre Informationen. 2010 hatte das Unternehmen einen Proteststurm ausgelöst, als es mehr persönliche Daten für sämtliche Internetuser sichtbar gemacht hatte. Damals konnten Mitglieder nur durch komplizierte Veränderungen von Dutzenden Einstellungen die Kontrolle über ihre Daten zurückerlangen. 2008 geriet "Beacon" in die Kritik. Über das Programm waren Daten von Nutzern an deren Kontakte sowie Facebook-Partner vermarktet worden. Der Konzern musste "Beacon" einstellen, reagiert ansonsten aber nur mit minimalen Zugeständnissen auf Einwände der Datenschützer.
Experten halten die Gesichtserkennung für einen besonders weitgehenden Eingriff in die persönliche Freiheit: "Diese Funktion ist ein erster Schritt in Richtung Ende der Anonymität in der Öffentlichkeit", sagte der FDP-Politiker Jimmy Schulz. Jens Nebel, Fachanwalt für IT-Recht bei der Wirtschaftskanzlei Kümmerlein, sagte: "Das Risiko bei jeder biometrischen Datensammlung ist: Wenn sie erst einmal da ist, kann sie zweckentfremdet werden." Das gelte für Facebook wie für Behörden, die beispielsweise auf Passfotos oder Aufzeichnungen von Überwachungskameras zugreifen.
Auch Facebooks Vorgehen sorgt für Ärger: Die Gesichtserkennung wurde eingeführt, ohne die Nutzer zu informieren, und ist automatisch aktiviert. Wer sie nicht will, muss sie ausschalten ("Opt-out"). Nebel hält das für rechtlich fragwürdig: "Eine Opt-out-Option ist grundsätzlich in Ordnung - aber man muss dem Nutzer die Änderung klarmachen und darf sie nicht in einem Untermenü verstecken."
Man wolle nur das Markieren von Fotos erleichtern, teilte Facebook mit - allerdings erst, nachdem die IT-Sicherheitsfirma Sophos über die Freischaltung berichtet hatte. Ein Facebook-Sprecher sagte, das Unternehmen hätte "deutlicher machen sollen, dass die Funktion nun zur Verfügung steht".
  • Aus der FTD vom 09.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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