Die Regierung in Teheran verfolge den Datenverkehr von Oppositionellen mit einer Technologie, die Kommunikation nicht nur blockiere, sondern es auch erlaube, Informationen über Individuen zu sammeln und Inhalte im Netz zu ändern, berichtet das "Wall Street Journal" auf seiner Website. Obwohl das Regime mit der Technologie seit einigen Monaten experimentiere, sei sie erst während der aktuellen Proteste gegen die Präsidentschaftswahlen voll zum Einsatz gekommen.
Das Internet ist wegen der Zensur im Iran zu einem wichtigen Instrument der Regierungsgegner geworden. Zahlreiche Demonstranten stellen per Handy geschossene Videos auf Websites wie Youtube oder setzen Kurzmeldungen über den Onlinedienst Twitter ab. Nach Angaben des "Wall Street Journal" kann das Regime mit der als "Deep Packet Inspection" bezeichneten Technologie jede Art von Kommunikation in Millisekunden nach Schlüsselwörtern durchsuchen.
Die Überwachungstechnologie wurde dem Bericht zufolge zumindest teilweise vom Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) bereitgestellt. NSN ist ein Gemeinschaftsunternehmen des finnischen Mobiltelefonherstellers Nokia mit dem Münchner Siemens-Konzern, das von Nokia geführt wird. Der Zeitung zufolge wurde die Anlage im Rahmen eines Vertrags mit dem staatlichen Telekomanbieter eingerichtet, der auch Mobilfunktechnik enthalten habe. Mit dem Netzwerk liefere man untrennbar die Möglichkeit, es abzuhören.
Auf Anfrage der FTD bestätigte ein NSN-Sprecher, dass Technik gestellt wurde, um Telefongespräche über Mobilfunk und Festnetz im Iran zu observieren. Zur Überwachung des Internets sei diese aber nicht geeignet, betonte er.
"Wir haben keine Technik zur Zensur des Internets in den Iran geliefert, sondern ausschließlich Technik zur Überwachung nationaler Telefongespräche." NSN habe diese in der zweiten Hälfte 2008 geliefert, sich später aber aus dem Geschäft zurückgezogen. Die entsprechende NSN-Sparte wurde im März 2009 an die Münchner Beteiligungsgesellschaft Perusa Partners verkauft und firmiert nun als Trovicor mit Sitz in München. Sie beliefert Strafverfolgungsbehörden und staatliche Dienste mit Technologie zum Abhören von Telefon- und Datennetzen.
Trovicor arbeite inzwischen nicht mehr für den Iran, sagte Perusa-Partner Christian Hollenberg der FTD. "Wir haben nichts aus dem Iran im Auftragsbuch." Auch Hollenberg sagte, dass die in den Iran gelieferte Technik nicht für Internetzensur geeignet sei.