Wenn an diesem Montag Facebook mit seiner Roadshow vor dem Börsengang startet, wird auch der eine oder andere potenzielle Investor den Film ansehen, den das Team um Gründer Mark Zuckerberg gedreht hat. Thema des 31-minütigen Videos: Die Facebook-Geschichte, und warum man die Aktie des Online-Netzwerks kaufen sollte.
Im Internet kursiert schon die eine oder andere Besprechung über den Film, der seit Ende vergangener Woche online ist und vor allem in den USA Resonanz findet. Allerdings - bedenkt man, dass Facebook einen der spektakulärsten Börsengänge aller Zeiten hinlegen dürfte, haben sich bisher vergleichsweise wenig Medienmenschen mit dem Video beschäftigt. Das liegt vermutlich daran, dass es harte Arbeit ist, sich den Streifen von Anfang bis Ende anzusehen.
Etwas dröge erklären Finanzchef David Ebersman, Zuckerberg selbst, Vize-Produktchef Christopher Cox und Geschäftführerin Sheryl Sandberg, was Facebook ist und warum das Potenzial des Unternehmens in Sachen Nutzer und Werbung noch längst nicht ausgeschöpft ist.
Wenig Neues also - und zudem von den vier Superhelden auch konventionell vorgetragen, das heißt, in einzelnen Monologen. Begleitet werden die Worte von mal leiser und mal lauter Musik, die man auch gut im Planetarium spielen könnte, wie ein US-Kommentator treffend anmerkt.
Der Film ist konstant öde. Da bringt es auch nichts, dass zu Beginn Anleihen bei Star Wars gemacht werden - wenn die Warnhinweise an potenzielle Anleger wie der Vorspann zu der Weltraum-Saga durchs Bild laufen. Die Hinweise machen den geneigten Investor darauf aufmerksam, dass man niemandem trauen soll, der Vorhersagen über die Zukunft macht. Denn die Zukunft sei schließlich stets ungewiss.
Na, dann eben ein Blick in die Vergangenheit. Für alle, die sie noch nicht kennen, wird die Facebook-Geschichte nacherzählt. Zuckerberg etwa denkt zurück an seine Schulzeit. Damals gab es Suchmaschinen wie Google - aber keine Netzwerke, mit denen sich Freunde verbinden konnten. Er sah es, er änderte es.
2005 ließen sich bei Facebook nur Profilbilder hochladen. Und als klar wurde, dass Nutzer diese oft änderten, schuf das Online-Netzwerk die Möglichkeit, auch andere Bilder auf die Seite zu stellen. Heutzutage passiere dies 300 Millionen Mal am Tag.
Wer sich das Video dennoch bis zum Schluss ansieht, dem kommt so manche Detailfrage in den Sinn: Vielleicht würde Finanzchef Ebersman aus einer anderen Perspektive gefilmt nicht so schief in die Kamera gucken? Warum trägt Zuckerberg keinen Kapuzenpulli, sondern ein graues T-Shirt? Diese Frage wird übrigens in einer Besprechung thematisiert. Und als Frau fragt man sich natürlich: Trägt die stets ungeschminkt wirkende Supernanny Sandberg wirklich kein Make-up - oder einfach nur ein sehr perfektes?
Gegen Ende, wenn man völlig abgeschweift ist, dann das Erweckungs-Erlebnis. Plötzlich erzählt eine Frau von der Spirituosen-Firma Diageo etwas über ihre Liebe zu Facebook. Wie kommt die denn jetzt in den Film? Auflösung: Das ist der Bonus-Track, der gezeigt wird, wenn der Film eigentlich schon vorbei ist.
Na, da wäre ein "Making of" wirklich lustiger gewesen.