Inzwischen plagen den 42-Jährigen keine existenziellen Sorgen mehr. Gut sitzender dunkler Anzug, eine schwarze Brille mit dickem Rahmen, dick ebenso die Uhr, in der eine teure Mechanik ihre Arbeit tut. Mehr als 6000 Unternehmen setzen Click & Buy laut Unternehmensangaben heute als Bezahlmethode auf ihren Webseiten ein.
So etwa Apples Onlinemusikladen iTunes in ganz Europa, in Deutschland die Stiftung Warentest sowie die Ebay-Tochter Skype. Mehr als sechs Millionen Nutzer haben sich für Click & Buy registriert. Damit sei man europäischer Marktführer, so der Manager. Gesteuert wird das Wachstum der in Köln gegründeten Firma mittlerweile von der Firstgate Holding AG in der Schweiz, wo Stangl mit Frau und Baby wohnt.
Vom Technofan zum Softwarespezialist
Weit entfernt die Startphase 1999, als Stangl nach durchgearbeiteten Nächten auf dem Sofa im Büro rücklings einschlief und die Putzfrau morgens der Schreck in die Glieder fuhr, weil sie glaubte, eine Leiche gefunden zu haben. Zeit wurde immer wieder knapp. So galt es etwa, verloren gegangene Tage aufzuholen, die die Programmierer auf der Love Parade in Berlin durchgefeiert hatten - unbeeindruckt vom Partyverbot des Chefs. Mittlerweile sind aus dem Dutzend technobegeisterter Softwarespezialisten 130 Programmierer geworden.
Insgesamt wurde die Zahl der Mitarbeiter von 100 auf knapp 250 erhöht, um die internationale Expansion voranzutreiben. Denn die Konkurrenz aus den USA macht sich bereit, in Europa Fuß zu fassen. So hat kürzlich der milliardenschwere Internetsuchkonzern Google mit "Google Checkout" ein neues Internetbezahlsystem in den USA eingeführt. Noch härter ist aber die Konkurrenz der Ebay-Tochter Paypal. In den USA eine Macht, ist der Dienst in Europa bislang lediglich auf den nationalen Versteigerungsplattformen des Mutterkonzerns führend. Doch Ebay treibt die Internationalisierung von Paypal voran, um neue Einkommensquellen zu erschließen. "Ich muss jetzt versuchen, so viel Marktanteil wie möglich zu bekommen", sagt Stangl. In zwei bis drei Jahren soll der Gang an die Börse folgen.
"Wir erwarten einen dramatischen Anstieg"
Seinen ambitionierten Zielen ist der gebürtige Koblenzer am vergangenen Freitag näher gekommen. Eine Deutsche-Telekom-Tochter ist mit zehn Prozent bei Firstgate eingestiegen. Geplant ist eine Kooperation mit allen Töchtern des Dax-Konzerns: So sollen bereits in wenigen Wochen die Bezahlsysteme Click & Buy und T-Pay der Telekom kompatibel sein. Zudem bietet die US-Mobilfunktochter von T-Mobile 20 Millionen potenzielle Kunden für den Internet-Abrechnungsdienstleister. "Wir erwarten einen dramatischen Anstieg unserer Umsätze", formuliert Stangl seine Erwartungen.