FTD.de » IT + Medien » Medien+Internet » Die Zahlmeister featuring Firstgate
  FTD-Serie: Die Aufsteiger der deutschen IT-Branche

Deutschland, eine IT-Wüste - so lautet das weit verbreitete Vorurteil. Die besten Geschäftsideen der Informationstechnologie scheinen immer noch aus Kaliforniens Silicon Valley zu kommen. Allenfalls ein paar findige Asiaten können da mithalten. Dabei zählt die Tech-Branche mit rund 750.000 Beschäftigten hier zu Lande zu den größten. Zahlreiche aufstrebende Unternehmen drängen mit innovativen Produkten und Diensten auf den Weltmarkt. In dieser Artikelreihe stellt die FTD deutsche IT-Aufsteiger vor.

Merken   Drucken   13.08.2006, 21:31 Schriftgröße: AAA

Deutsche IT-Aufsteiger: Die Zahlmeister featuring Firstgate

Als im Web noch alles gratis war, musste Norbert Stangl für Click & Buy viel Überzeugungsarbeit leisten. Jetzt setzt auch die Telekom als Teilhaber auf den boomenden Bezahldienst. von Arndt Ohler
Gegen Google und Ebay: Click & Buy-Chef Norbert Stangl treibt ...   Gegen Google und Ebay: Click & Buy-Chef Norbert Stangl treibt als deutscher Marktführer die internationale Expansion voran
Im Jahr 2003 war ich kurz davor, das Geschäftsmodell aufzugeben", sagt Norbert Stangl. Nur wenige Onlineanbieter interessierten sich für die Softwarelösung des Internet-Bezahldienstleisters Click & Buy. Im Web werde weiter alles umsonst verfügbar sein - wozu also ein Bezahlsystem, so die vorherrschende Meinung.
Der Click & Buy-Chef versuchte damals dagegenzuhalten: "Das Internet wird nicht ewig kostenlos bleiben. Irgendwann ist das Freibier alle." Vergebens - sein Service, mit dem Nutzer sich lediglich mit E-Mail und Passwort authentifizieren müssen, um ihre Einkäufe im Internet bezahlen zu können, überzeugte potenzielle Kunden nicht. "Unsere Kosten standen in keinem Verhältnis zum Umsatz", so Stangl.
Aus der Klemme half ausgerechnet der Einbruch der New Economy: Ebenso schnell wie die Börsenbewertungen junger Startups schnurrten im Jahr 2000 die während des Internetbooms aufgepumpten Werbeetats zusammen. Medienkonzerne suchten händeringend nach Zusatzeinnahmen, um die Anzeigenausfälle aufzufangen. Zahlreiche Magazine und Zeitungen machten Teile ihrer Internetangebote nur noch gegen Zahlung zugänglich - das Ende der Kostenloskultur. Für Click & Buy hatte sich die rettende Marktlücke aufgetan.
Inzwischen plagen den 42-Jährigen keine existenziellen Sorgen mehr. Gut sitzender dunkler Anzug, eine schwarze Brille mit dickem Rahmen, dick ebenso die Uhr, in der eine teure Mechanik ihre Arbeit tut. Mehr als 6000 Unternehmen setzen Click & Buy laut Unternehmensangaben heute als Bezahlmethode auf ihren Webseiten ein.
So etwa Apples Onlinemusikladen iTunes in ganz Europa, in Deutschland die Stiftung Warentest sowie die Ebay-Tochter Skype. Mehr als sechs Millionen Nutzer haben sich für Click & Buy registriert. Damit sei man europäischer Marktführer, so der Manager. Gesteuert wird das Wachstum der in Köln gegründeten Firma mittlerweile von der Firstgate Holding AG in der Schweiz, wo Stangl mit Frau und Baby wohnt.
Vom Technofan zum Softwarespezialist
Weit entfernt die Startphase 1999, als Stangl nach durchgearbeiteten Nächten auf dem Sofa im Büro rücklings einschlief und die Putzfrau morgens der Schreck in die Glieder fuhr, weil sie glaubte, eine Leiche gefunden zu haben. Zeit wurde immer wieder knapp. So galt es etwa, verloren gegangene Tage aufzuholen, die die Programmierer auf der Love Parade in Berlin durchgefeiert hatten - unbeeindruckt vom Partyverbot des Chefs. Mittlerweile sind aus dem Dutzend technobegeisterter Softwarespezialisten 130 Programmierer geworden.
Insgesamt wurde die Zahl der Mitarbeiter von 100 auf knapp 250 erhöht, um die internationale Expansion voranzutreiben. Denn die Konkurrenz aus den USA macht sich bereit, in Europa Fuß zu fassen. So hat kürzlich der milliardenschwere Internetsuchkonzern Google mit "Google Checkout" ein neues Internetbezahlsystem in den USA eingeführt. Noch härter ist aber die Konkurrenz der Ebay-Tochter Paypal. In den USA eine Macht, ist der Dienst in Europa bislang lediglich auf den nationalen Versteigerungsplattformen des Mutterkonzerns führend. Doch Ebay treibt die Internationalisierung von Paypal voran, um neue Einkommensquellen zu erschließen. "Ich muss jetzt versuchen, so viel Marktanteil wie möglich zu bekommen", sagt Stangl. In zwei bis drei Jahren soll der Gang an die Börse folgen.
"Wir erwarten einen dramatischen Anstieg"
Seinen ambitionierten Zielen ist der gebürtige Koblenzer am vergangenen Freitag näher gekommen. Eine Deutsche-Telekom-Tochter ist mit zehn Prozent bei Firstgate eingestiegen. Geplant ist eine Kooperation mit allen Töchtern des Dax-Konzerns: So sollen bereits in wenigen Wochen die Bezahlsysteme Click & Buy und T-Pay der Telekom kompatibel sein. Zudem bietet die US-Mobilfunktochter von T-Mobile 20 Millionen potenzielle Kunden für den Internet-Abrechnungsdienstleister. "Wir erwarten einen dramatischen Anstieg unserer Umsätze", formuliert Stangl seine Erwartungen.
Das Click&Buy Logo   Das Click&Buy Logo
Zweifel am Geschäftsmodell sind längst verflogen. Vor der Telekom ist bereits die Investmentgesellschaft 3i eingestiegen. Für 20 Mio. Euro hat sie im Januar Anteile erworben. Der Gründer musste sich dafür von seiner Stimmenmehrheit trennen - die eigenen Mittel reichten nicht mehr aus, um die ehrgeizigen Wachstumspläne zu finanzieren. "Ich habe sehr lange gezögert, von den 56 Prozent unter die Mehrheit zu gehen", sagt Stangl. "Einen Tod muss man sterben, wenn man expandieren will."

Klicken, kaufen und über Firstgate zahlen
Gründer Norbert Stangl startet seine Karriere beim Computerhersteller Escom, später wechselt er als Geschäftsführer zum Internetunternehmen 1 & 1. 1997 gründet er die Webhostingfirma Strato; seine Anteile verkauft er 1998. Im Jahr darauf gründet er die Firstgate Internet AG in Köln.
Geschäftsmodell Klicken Nutzer im Internet auf das rote Symbol von Click & Buy, bucht ihnen der Internet-Bezahldienstleister den Betrag für Magazinbeiträge oder Musikstücke per Kreditkarte, Lastschrifteinzug oder Telefonrechnung ab. Je nach Zahlungsmethode berechnet Firstgate dem Verkäufer eine Gebühr von fünf bis zwölf Prozent des Umsatzes. Innerhalb der nächsten zwei Jahre ist laut Stangl ein mittlerer dreistelliger Millionenumsatz anvisiert.
  • Aus der FTD vom 14.08.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




Newsletter:   Eilmeldungen IT + Medien

Geheimer Smartphone-Prototyp entdeckt? Wir flüstern es Ihnen sofort weiter.

Beispiel   |   Datenschutz
Tweets von FTD.de Tech-News

Weitere Tweets von FTD.de

Internetmarken - News, Info und Bilder
Internetmarken - Die Internetmarken im Überblick

Welches sind die Top-Internetmarken, auf die wir nicht mehr verzichten wollen? Entdecken Sie alle wichtigen News, Hintergrundinformationen, Bilder und Infografiken zu den Top-Internetmarken von Amazon bis Twitter.mehr

  Bilderserie Von BASF bis ThyssenKrupp Das deutsche Chefwechseljahr
 



01:45:06 Aktuelle Börsewerte
Name aktuell   
Microsoft 23,223 EUR   +0,72% 
Apple 447,135 EUR   -1,06% 
Google 471,554 EUR   -1,48% 
Intel 20,481 EUR   +0,19% 
Advanced Micro Devices 6,22 USD   +3,32% 
  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

IT+TELEKOMMUNIKATION

mehr IT+Telekommunikation

MEDIEN+INTERNET

mehr Medien+Internet

COMPUTER+TECHNIK

mehr Computer+Technik

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote