Kursinformationen und Charts
Anzeigenerlöse, die TV-Sendern oder Zeitungen jahrzehntelang hohe Renditen brachten, fließen mehr und mehr ins Internet ab, seit Google sein Geschäftsmodell etabliert hat.
Microsoft und Yahoo haben diesen Trend schlicht verschlafen. Microsoft-Manager Bill Bliss macht bereits 1999 seine Vorgesetzten auf die wachsende Bedeutung von Internetsuchmaschinen aufmerksam. Doch die wiegeln ab. "Immer wieder wurde mir gesagt: Suche ist nicht unser Kerngeschäft, Google ist kein Wettbewerber", erinnert sich Bliss. Inzwischen setzt man bei Microsoft andere Prioritäten. "Dieser Markt wächst weiter", sagt Steve Ballmer mit Blick auf das boomende Geschäft mit Onlineanzeigen. Bis 2010 wird es nach Ansicht von Experten ein Umsatzvolumen von 80 Mrd. $ erreichen. Und Googles Vorsprung macht dem Microsoft-Chef Sorgen: "Der Marktführer baut seine Stellung immer weiter aus."
Die Entwicklung der eigenen Suchmaschine wird erst vorangetrieben, als Google Erfolge feiert. Bis 2005 bezieht Microsoft die Suchtechnik von externen Anbietern wie Inktomi, Altavista und schließlich Yahoo. Und erst im Mai 2006 startet Microsoft mit Adcenter die Vermarktung von Anzeigen über ein eigenes System.
Yahoo nutzt zwar nach dem Platzen der Internetblase die Gelegenheit, sich einige Suchmaschinenpioniere, darunter Overture und Inktomi, zusammenzukaufen. Es dauert jedoch noch bis 2003, daraus eine eigenständige Suchmaschine zu bauen. Doch während Microsoft dank seiner marktbeherrschenden Stellung über ausreichend Substanz verfügt, die Versäumnisse im Internet abzufedern, geht es für Yahoo schon bald um die Existenz. 2006 zeigt sich, dass das Internetportal mit Google nicht mehr Schritt halten kann.
Nach Umsatzzuwächsen von 77 Prozent und 42 Prozent in den Vorjahren peilt der damalige Yahoo-Chef
Terry Semel für 2006 ein Wachstum von immerhin noch 29 Prozent an. Er schafft gerade einmal 22 Prozent. Semel hat hohe Erwartungen an die neue Anzeigenvermarktung Panama. Doch als er im Juni 2006 bekannt gibt, dass die Einführung um drei Monate verschoben werden muss, verliert die Aktie binnen einem Tag ein Fünftel ihres Werts.
Ein Jahr später zieht Yahoo-Gründer Jerry Yang die Notbremse und übernimmt die Führung des Unternehmens von Semel. Google verdient inzwischen in einem Monat so viel wie Yahoo im ganzen Jahr - zum Jahresende sieht die Bilanz noch düsterer aus: Das operative Ergebnis von Yahoo bricht um 26 Prozent auf 695 Mio. $ ein. Zum Jahresbeginn machen Gerüchte über den Abbau Tausender Stellen die Runde
Die Tage des Internetportals als eigenständiges Unternehmen scheinen gezählt. Steve Ballmer will die Kräfte von Microsoft und Yahoo bündeln. Ein Retter im Abwehrkampf gegen die Übernahme ist für Yang weit und breit nicht in Sicht. Investoren machen zunehmend Druck, Ballmers Offerte anzunehmen, die immerhin um 62 Prozent über dem Börsenwert liegt.
Die jüngsten Entwicklungen könnten Ballmer Hoffnung machen, dass der Marktführer nicht uneinholbar vorn liegt: Im vierten Quartal hat Google erstmals die Umsatzerwartungen der Analysten verfehlt. Der Aktienkurs ist seit dem Erreichen des historischen Hochs von 747 $ im vergangenen November auf weniger als 480 $ eingebrochen.
Und zuletzt stagnierte die Zahl der Klicks bei den Google-Anzeigen. Folge der Rezession oder Anfang vom Ende des Rekordwachstums? "Die gesamte Wall Street ist vorsichtig geworden", so Analyst Rob Sanderson von America Technology Research: "Jeder hat Angst."