29.10.2009, 09:46
Die Kopierfalle, Teil 4: Film- und Musikindustrie - Vorwärts ins Web!
Digitalisierung und Web hebeln das Urheberrecht aus, Geschäftsmodelle stehen auf dem Spiel. CDs und DVDs sind kaum zu sichern - gut, dass ihre Bedeutung schwindet.
von Andrea Rungg
und Jörn Petring
In herbstlicher Kälte stehen sie aufgereiht wie die Orgelpfeifen vor hohem Gemäuer mit Stacheldraht. Mama mit Kinderwagen, Sohn und die zwei Töchter. Lauthals brüllen sie: "Happy Birthday, lieber Papa, Happy Birthday to you!" Als das Geburtstagslied ausklingt, schaut der kleine Junge seine Mama an und fragt: "Wann kommt Papa wieder?" Während alle traurig davontrotten, antwortet die junge Mutter ausdruckslos: "Noch viermal singen." Und der Papa? Der sitzt hinter dem hohen Gemäuer, weil er für illegale Raubkopien zu fünf Jahren Haft verknackt wurde.
Kampagne gegen Raubkopierer
Rauf und runter lief der Spot gegen Raubkopien im Jahr 2007 in deutschen Kinos. Abgeschreckt hat er kaum. Laut der sogenannten Brennerstudie wurden 2008 in Deutschland immerhin rund 598 Millionen CD- oder DVD-Rohlinge gebrannt. Auf mehr als der Hälfte der Scheiben landeten Musik sowie Filme und Videos. Weltweit kämpft die Unterhaltungsindustrie mit Milliardenverlusten. Trotz Warnungen und Schutzmechanismen: Die Piraterie lebt.
Schon um die Jahrtausendwende versuchte die Musikindustrie, einen sicheren Kopierschutz durchzusetzen. Damals sollte das Problem illegaler Kopien mit technischen Maßnahmen gelöst werden - mit einem Kopierschutz direkt auf dem Datenträger. Das Problem mit den neuen, geschützten CDs war jedoch, dass sie von vielen Abspielgeräten, die bereits auf dem Markt waren, nicht mehr unterstützt wurden. So ließ sich die CD mit Kopierschutz oft nicht mehr in Autoradios oder Computerlaufwerken abspielen - zum Unmut vieler Kunden.
Kursinformationen und Charts
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Sony
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18,16 EUR |
[-0.18] |
-0,98% |
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Disney
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30,01 USD |
[-0.2] |
-0,66% |
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Zudem knackten Computerfreaks die geschützten Datenträger und verbreiteten die Musik in Internet-Tauschbörsen. Mit zunehmender Bandbreite der Internetverbindungen entwickelte sich der Download von Musikdateien zum Volkssport. "Der Kopierschutz auf CDs ließ sich nachträglich nicht mehr durchsetzen. Heute sind nur noch vereinzelt geschützte CDs im Handel zu finden", sagt Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Musikindustrie (BVMI). Der Schaden geht in die Milliarden. Jedes Jahr sank der Umsatz weltweit um eine zweistellige Prozentzahl - zuletzt um 15,4 Prozent auf rund 13,8 Mrd. Euro.
Vor dem gleichen Problem wie die Musikbranche vor zehn Jahren steht heute die Filmindustrie. Film-DVDs sind aufwendig geschützt: mit Ländercodes, die sicherstellen sollen, dass DVDs nur dort abgespielt werden, wo sie gekauft werden. Jeder DVD-Spieler liest den auf dem Medium gespeicherten Code aus und vergleicht ihn mit dem internen Code. Nur bei Übereinstimmung wird die DVD abgespielt.
Zum Schutz vor Kopien von Video-DVDs haben die Filmstudios der Scheibe zusätzlich einen Kopierschutz aufgedrückt. Obwohl beide Verfahren von der Industrie als sicher angepriesen wurden, kursierten schon kurz vor Markteinführung der DVD Dutzende Computerprogramme, die den Schutz umgehen konnten.
Teil 2: Abmahnungen und Unterlassungserklärungen
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Aus der FTD vom 29.10.2009
© 2009 Financial Times Deutschland