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Merken   Drucken   06.12.2012, 17:42 Schriftgröße: AAA

Die Zukunft der FTD, die keine war: Die Wahrheit über 20/40

Monatelang tüftelte ein kleines Team von FTD-Redakteuren an einem Zukunftskonzept für diese Zeitung. Über den Inhalt wurde viel spekuliert. Manches stimmte, vieles nicht. Jetzt enthüllen wir, wie es wirklich war - oder besser: Wie es hätte sein können.
© Bild: 2012 FTD.de
Monatelang tüftelte ein kleines Team von FTD-Redakteuren an einem Zukunftskonzept für diese Zeitung. Über den Inhalt wurde viel spekuliert. Manches stimmte, vieles nicht. Jetzt enthüllen wir, wie es wirklich war - oder besser: Wie es hätte sein können.

Blindtext! Die ganze Seite ist noch voller Blindtext! Es ist der Abend des 26. September 2012, einer dieser langen Abende, an denen ein kleines Team von FTD-Redakteuren an dem Konzept arbeitet, das die Zukunft dieser Zeitung werden sollte. Am nächsten Tag soll der Prototyp der künftigen Wochenendausgabe im Druckhaus sein, und der Wochenrückblick ist noch voll mit dem lateinischen Kauderwelsch, das die Layouter als Textersatz benutzen, wenn sie Seiten bauen, für die es noch keine Artikel gibt. Blindtext eben.

So macht man keinen guten Eindruck bei Vorständen und Mediaagenturen, also fassen wir schnell noch die wichtigsten News der vergangenen Woche zusammen, suchen ein Bild der Woche raus, ein Zitat, passt. Um 23.10 Uhr steht auch die letzte der 40 Seiten. Der Name der Rubrik lautete übrigens "Das war's". Wie prophetisch.

Seit März haben wir an der nächsten Generation der FTD gearbeitet. Haben Seiten entworfen, Probeexemplare gedruckt, Lesertests gemacht. Wir glauben, dass der Lebenszyklus der gedruckten Tageszeitung zu Ende geht, aber die Zeit für ein ausschließlich digitales Produkt noch nicht reif ist. Unser Konzept soll einen behutsamen Übergang ermöglichen und die Zeitung fit für die Zukunft machen.

Es war kein Sparkonzept, wie vielfach behauptet wurde. Manche spekulierten, die Zeitung würde quasi über Nacht zur App. Andere behaupteten, wir würden nur noch einmal oder - völlig absurd - zweimal die Woche in gedruckter Form erscheinen. Wieder andere verkündeten, es ändere sich nichts, die FTD werde nur dünner. Alles Quatsch. Nach unserem Plan hätte es die gedruckte Zeitung noch für ein paar Jahre gegeben, allerdings in veränderter Form.

Von Montag bis Donnerstag wären die Ausgaben auf 20 Seiten geschrumpft, wir hätten uns auf unser Kerngeschäft konzentriert, der Sport wäre weggefallen, der Umfang der Politikberichterstattung leicht reduziert worden. Die Freitagsausgabe hingegen hätten wir zu Deutschlands erster Wirtschaftswochenzeitung ausgebaut: 40 Seiten dick, mit einem nachrichtlichen Kern und vielen, vielen Magazingeschichten. Aus den geplanten Seitenzahlen ergab sich auch der Codename, unter dem das Projekt redaktionsintern lief: 20/40.

Mitte Juli beginnt die heiße Phase. Im Büro BO 134, versteckt zwischen Anzeigenherstellung und der "Brigitte"-Versuchsküche, entsteht die Kommandozentrale, in der die verantwortliche Layouterin Judith Mohr mehr als 100 verschiedene Seiten anlegt, wieder verwirft oder nach den Wünschen der Planer wieder und wieder umbaut. Wer in diesen Tagen den Chefredakteur sucht: Hier ist er ziemlich sicher zu finden.

Unter den Eingeweihten herrscht eine beinahe aufgekratzte Stimmung. Monatelang mussten wir wie alle anderen über Zeitungskrise, Anzeigenschwund und die mögliche Einstellung der FTD hören und lesen, nun haben wir die Chance, aktiv etwas zu tun. Kleine Gruppen treffen sich in den Büros der Ressortleiter, um sich neue Seiten und Rubriken auszudenken, das Weekend-Team wird einbezogen, ein neues Managementteam gegründet, das zu Beginn noch in der Annahme Ideen entwirft, es gehe um die Neukonzeption der Magazinbeilage enable.

Anfang August wird die komplette Führungsmannschaft der Financial Times Deutschland eingeweiht. Im großen Konferenzraum in Hamburg, intern Politbüro genannt, hat der Chefredakteur die Musterseiten für die verschiedenen Ausgaben aufgereiht. Doch selbst der zehn Meter lange Konferenztisch ist dafür zu klein, zum Teil überlappen die Seiten einander.

Die wochentägliche Version der neuen FTD wäre den Lesern sehr vertraut vorgekommen: Titelseite, Format und auch die Abfolge der Ressorts sollten weitgehend unverändert bleiben. Allerdings verpackt in nur noch einem, kompakten Zeitungsbuch. Das hätte es erlaubt, den Umfang der verschiedenen Ressorts - Unternehmen, Politik, Finanzen - der jeweiligen Nachrichtenlage anzupassen, sie gewissermaßen "atmen" zu lassen.

Im Mittelpunkt des Interesses steht allerdings die 40-seitige Freitagsausgabe, die "FTD Weekend" heißen und aus drei Büchern bestehen soll: einem 24-seitigen Nachrichtenteil, der sowohl die wichtigsten Meldungen des Vortags enthält als auch magazinige Hintergrundberichte und Analysen; einem ausgebauten Weekend mit vielen neuen Seiten ("Digitales Leben" und "Kunst & Kommerz") und Rubriken; und einem runderneuerten Agenda-Buch, das von einer dreiseitigen Titelgeschichte aus einem der drei Kernbereiche der Zeitung (Unternehmen, Finanzen und Politik) eröffnet wird.

Ziel der umfangreichen Neugestaltung ist, unser Angebot besser auf die veränderten Lesegewohnheiten unserer Kunden abzustimmen: knappe und kompakte Informationen im stressigen Alltag, mehr Hintergründe und Lesespaß am Wochenende. Deshalb sollen auch die Luxusbeilage how to spend it und enable künftig freitags beiliegen. Parallel dazu sind neue digitale Produkte geplant, die der Leser auf vielfältige Weise mit der Printversion kombinieren können soll. So wollen wir uns auf das digitale Zeitalter vorbereiten, ohne einem Printleser seine Zeitung wegzunehmen.

Im August laufen die ersten Tests mit Lesern, die Ergebnisse stimmen uns zuversichtlich. Im September wird das ganze Konzept nochmals überarbeitet und feinjustiert. Am 28. September ist alles fertig. Es fühlt sich ein bisschen an wie zu alten Zeiten, als Informationen innerhalb eines Hauses noch per Rohrpost versandt wurden. Bis eben regierte noch die Hektik, nun ist das Werk fertig und wird rausgeschickt. Eine unsichtbare Kraft saugt es ein, es rattert und rumpelt noch ein bisschen. Und dann Stille.

  • Aus der FTD vom 07.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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