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Merken   Drucken   01.08.2011, 11:39 Schriftgröße: AAA

Digitalradio: Sender, hört die Signale!

Heute startet die neue Generation der digitalen Radio-Übertragungstechnik DAB. Seit Jahren wird das Projekt mit vielen Millionen Gebührengeldern gefördert. Dabei suchen die Hörer ihre Lieblingsstation längst lieber im Internet. von Bernhard Hübner, Hamburg
Als der aufstrebende Hightechkonzern Deutsche Telekom  1995 auf der Funkausstellung Ifa die Kommunikationswege des nächsten Jahrtausends vorstellt, haben die Besucher einiges zu bestaunen: eine neue Version des Telekom-Computernetzwerks BTX. Musikübertragung über das Telefonnetz ISDN. Und: die Revolution des Rundfunks - das digitale Radio DAB (Digital Audio Broadcast).
Heute gibt es Smartphones statt BTX-Modems, iPods statt ISDN-Musik. Nur das Digitalradio siecht auch 16 Jahre später noch immer vor sich hin. In Deutschland gibt es kaum mehr als eine halbe Million der speziellen Empfangsgeräte, die nötig sind, um einen der über Antenne ausgestrahlten Digitalkanäle hören zu können. Stichprobe in der Hamburger Filiale der Elektronikkette Saturn: Rund ein Dutzend Internetradios ist dort im Sortiment, aber nur ein DAB-Radio. Trotz des Misserfolgs nimmt heute die nächste Generation des Digitalradios den Sendebetrieb auf - DAB plus, der Nachfolgestandard von DAB, mit verbesserter Tonqualität und Sendeleistung.
Das mobile Onlinekofferradio "Evoke Flow" empfängt ...   Das mobile Onlinekofferradio "Evoke Flow" empfängt eigentlich per W-Lan, saugt im Notfall aber auch UKW und das Digitalradio DAB aus dem Äther
Es sind die Sendeanstalten, die sich ans Digitalradio klammern. Ihr Problem: Die analogen UKW-Frequenzen sind alle vergeben, es fehlt Platz für Wachstum. Setzt sich das Internetradio weiter durch, müssen auch regionale Sender mit Tausenden Anbietern aus aller Welt konkurrieren.
DAB plus böte Expansionsmöglichkeiten. Und hohe Zugangshürden zum Markt - genau das, was die Radiobranche will. Einzig die Hörer fehlen. "Wir haben etwa fünf Jahre Zeit. Wenn es uns dann nicht gelingt, können wir das Digitalradio endgültig begraben", sagt Dietmar Boettcher, Kommunikationschef des öffentlich-rechtlichen Deutschlandradios. Der Sender stellt drei der 14 Programme, die ab heute mit DAB plus bundesweit zu empfangen sind. Dazu gehören auch das katholische Radio Horeb oder die Fußballwelle 90elf.
Das neue Digitalradio komme zu spät, meint Michael Schidlack vom Branchenverband Bitkom: Internetradio lasse sich nicht mehr verdrängen, der Zug sei "abgefahren". Interessant könnte DAB plus vielleicht noch für Autofahrer sein - erlaubt es doch zusätzliche Verkehrsmeldungen, auch als Text. Aber: "Es gibt bisher keinen Anbieter dafür", sagt Christoph Hecht, Fachreferent beim ADAC.
Zumindest am Geld wird das Projekt nicht scheitern. 132 Mio. Euro Gebührengelder flossen zwischen 1997 und 2004 in das Digitalradio. Nun wurden noch einmal 42 Mio. Euro lockergemacht.
  • FTD.de, 01.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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