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Merken   Drucken   21.08.2011, 14:37 Schriftgröße: AAA

Diskussion um "Like"-Button: Gefällt mir nicht

Der Streit der Datenschützer mit Facebook über die Nutzung von Daten geht in die nächste Runde. Ein Vorwurf aus Kiel stellt das gesamte Geschäftsmodell des Netzwerks in Frage.
von Teresa Goebbels, Hamburg

Cineasten kennen dieses Prinzip, so simpel wie sicher: Je mehr Fortsetzungen eine Filmreihe vorweisen kann, desto eher wird sie zum Kult ernannt. Man denke an Haudrauf-Schinken wie "Terminator" 1 bis 4, die sechs Folgen von "Rocky" und - wohl unübertroffen - 22 Ausgaben von "James Bond". Teil 23 ist angekündigt.

Nach der gleichen Masche schickt sich auch ein anderes Schauspiel an, zum Klassiker zu werden: die Datenschützer versus Facebook. Gleich dem Bond-Vorbild schlüpfen wechselnde Darsteller in die Hauptrolle. Im aktuellen Teil ist es Thilo Weichert, Landesdatenschutzbeauftragter in Schleswig-Holstein. Der Plot: Weichert, graumelierter Jurist, erhebt sich gegen den übermächtigen Gegner Facebook. Sein Vorwurf: Die US-Amerikaner speichern unerlaubt Daten derer, die den Gefällt-mir-Knopf nutzen, um ihren Freunden kund zu tun, an was sie Gefallen finden - an dem kommenden James-Bond-Film etwa.

Genauso erheben sie Daten derer, die eine Facebook-Fanpage besuchen, etwa die des beliebten Agentengetränkeherstellers Martini. Das Netzwerk verwebe diese Daten zu einem Profil des Nutzers, sagt Weichert. Damit verdient Facebook schließlich sein Geld: Werbung genau den Mitgliedern einzublenden, die zur Zielgruppe des Produkts gehören. Die Internetnutzer aber bei alldem: ungefragt.

Das moniert Weichert und will dagegen vorgehen: "Wir versuchen, Recht und Gesetz durchzusetzen." Unternehmen sollen den Knopf respektive ihre Fanpages entfernen. Wie es sich für einen spannungsgeladenen Actionfilm ziemt, setzt der Datensheriff den Bösewichten dafür gnadenlos eine Deadline: Parieren die bis Ende September nicht, macht zwar nicht eben ein Schlägertrupp die Runde, doch soll es Ärger geben - im Äußersten ein Bußgeld von 50.000 Euro. Betroffen sind mehr als 130.000 Unternehmen aus Schleswig-Holstein sowie die Verwaltungen.

Damit auch die Staatskanzlei, die eine Fanpage betreibt. In einer höflichen Erklärung schreibt der Staatssekretär, er würde es begrüßen, sich mit Weichert darüber zu verständigen, die Seite zu behalten. Außerdem regt er an, dessen fachliche Bewertung unter anderem mit "mit dem Datenschutzrecht vertrauten Personen" zu diskutieren. Kernige Actionhelden beeindrucken solch verhüllte Einschüchterungsversuche freilich nicht. Im Skript stünde wohl ein lässiges Paroli, ein bedeutungsschwangeres "I‘ll be back." Fortsetzung folgt.

  • FTD.de, 21.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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