Fifa-Präsident Joseph Blatter
Der Weltfußballverband Fifa hat das Gros der exklusiven Live-Rechte für die WM 2010 an die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender vergeben. Fifa-Präsident Joseph Blatter verkündete am Mittwoch den Zuschlag für ARD und ZDF in Deutschland sowie für die öffentlich-rechtlichen Sender in den meisten anderen Ländern Europas. "Wir kommen dahin zurück, wo wir waren", sagte Blatter mit Blick auf den Umstand, dass die öffentlichen Sender über 40 Jahre lang das Turnier gezeigt haben. Die Rechteagentur Infront des einstigen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus und des Fußballstars Günter Netzer geht dagegen leer aus.
Der Zuschlag für die öffentlichen Sender besiegelt eine Kehrtwende im internationalen Sportrechtegeschäft. Sportverbände wie die Fifa verlangen unverändert stetig mehr Geld für ihre Rechte, aber sie verlassen sich dabei kaum mehr auf Sender, die die explodierenden Rechtepreise im Markt refinanzieren müssen - sei es durch Werbeeinnahmen oder durch Pay-TV-Entgelte. Blatter begründete die Entscheidung des Fußballverbandes für die gebührenfinanzierten Sender ausdrücklich mit der "langfristigen finanziellen Sicherheit", die diese der Fifa böten.
1996 hatte Blatter die Weltrechte - außer für die USA - in einer Aufsehen erregenden Entscheidung der Kirch-Gruppe und ihrem Partner ISL gegeben und damit erstmals auf den Pay-TV-Werbemarkt und die Wachstumsspekulationen eines Zwischenhändlers vertraut. Trotz der Pleiten von Kirch und ISL ist dieses Kalkül finanziell am Ende aufgegangen.
Preise ziehen an
Dennoch macht die Fifa nun die damalige Entscheidung praktisch rückgängig. Das fällt ihr leicht, weil die Preise trotzdem steigen. Für die WM 2006 nahm die Fifa rund 750 Mio. Schweizer Franken (484,69 Mio. Euro) ein. Nun gab Blatter den Erlös mit über 1 Mrd. Euro an - obgleich die WM in Südafrika trotz gleicher Zeitzonen in Europa zunächst als weniger attraktiv betrachtet wurde.
Für die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender bleibt der Preis zwar nahezu stabil, aber auf hohem Niveau. Der Preis liege unter 200 Mio. Euro und sogar leicht unter den geschätzten 175 Mio. Euro, die ARD und ZDF für die Rechte 2006 bezahlen, heißt es intern. Allerdings geht es 2006 auch um die WM im eigenen Land, und die Sender bekommen 48 der 64 Spiele, nicht nur 46 wie 2010. Sendervertreter gaben sich am Mittwoch erleichtert. Bis zur letzten Minute sei in der Nacht zu am Mittwoch verhandelt worden, berichten Beteiligte - das Angebot von Infront für Deutschland hatte deutlich höher gelegen. Außer den TV-Rechten erhalten ARD und ZDF auch sämtliche Livestreamrechte für das Internet.
18 Spiele der WM 2010 hat sich der Bezahlsender Premiere exklusiv gesichert. Dafür dürfte Premiere laut Branchenkreisen zwischen 35 und knapp 50 Mio. Euro zahlen.
Für Infront, die Erben der ehemaligen Kirch Sport, ist die Entscheidung ein harter Schlag. "Das war schon unser Hauptgeschäft", sagte Exekutivdirektor Dominik Schmid der FTD mit Blick auf die WM-Rechte, "aber wir sind immer noch in einer soliden und komfortablen Position." Unklar ist etwa die Zukunft der Produktionstochter HBS, die sämtliche Bilder der WM aufzeichnet und verbreitet. Die Fifa wolle künftig ihre eigene TV-Produktion aufziehen, sagte Blatter. Laut Schmid kann sich Infront Hoffnungen machen, dass die Fifa dabei vielleicht auf HBS zurückgreift. "Das ist eine Option", sagte der Manager.