Das sagte Heinz Kiegeland, Sprecher der Geschäftsführung des Verlages, am Donnerstag der FTD. In Verhandlungskreisen heißt es, DuMont habe dem Holtzbrinck-Konzern für den Berliner Verlag 175 Mio. Euro geboten. Kiegeland wollte die Summe nicht bestätigen.
DuMont hofft damit, das Ruder in den laufenden Verhandlungen noch herum reißen zu können: Holtzbrinck spricht derzeit exklusiv mit einem Konsortium der drei britischen Finanzinvestoren 3i, Mecom und Veronis Suhler Stevenson. Der Kaufvertrag könne womöglich schon am Montag unterzeichnet werden, hieß es aus Verlagskreisen.
Der Kölner Verlag setzt nun darauf, dass der heftige Widerstand in der Belegschaft des Berliner Verlages gegen die Finanzinvestoren dem eigenen Angebot Nachdruck verleiht. Seit Tagen protestieren Mitarbeiter des Verlages gegen eine Übernahme durch die Investoren. Sie fürchten Einsparungen. Unterstützt werden sie dabei von Politikern und Gewerkschaften.
"Ich hoffe angesichts der öffentlichen Meinungsbildung, dass unser Haus berücksichtigt wird", sagte Kiegeland. Sollte das vorgelegte Angebot nicht ausreichen, sei der Verlag auch zu mehr bereit - vorausgesetzt dies sei wirtschaftlich gerechtfertigt. "DuMont ist ein Haus mit hohen Qualitätsansprüchen und ein Garant dafür, dass die "Berliner Zeitung" nicht nur so bleibt wie sie ist, sondern sich weiterentwickeln kann", so Kiegeland.
Angebot sorgt für Erklärungsdruck
Mit dem Angebot von DuMont gerät Holtzbrinck-Geschäftsführer Michael Grabner zumindest unter Erklärungsdruck. Auf einer Mitarbeiterversammlung am Montag hatte er den möglichen Verkauf an die Finanzinvestoren unter anderem damit verteidigt, es habe keine ernsthaften Gegenofferten gegeben. DuMont-Manager Kiegeland sagte am Donnerstag auf die Frage, ob der Verlag bereits früher ein Angebot abgegeben habe, Holtzbrinck habe in den vergangenen Monaten deutliche Signale für die Kaufabsichten des Verlages erhalten. Verleger Alfred Neven DuMont hatte Anfang der Woche dem "Spiegel" gesagt, DuMont akzeptiere den bis dahin genannten Kaufpreis von 150 bis 160 Mio. Euro als Gesprächsgrundlage. Diese Summe soll das Konsortium laut verhandlungsnahen Kreisen geboten haben.
In den Kreisen hieß es am Donnerstag, es sei fraglich, ob die Offerte aus Köln den Verkauf an das Konsortium noch stoppe. Grabner wolle das Geschäft abschließen. Bei der Mitarbeiterversammlung hatte der Holtzbrinck-Manager laut Teilnehmern zudem gesagt, der Verlag sei an die Absprache mit den Finanzinvestoren gebunden, solange diese ihre Versprechen einhielten und ihr Angebot bis zum Ende der laufenden Frist für exklusive Verhandlungen aufrechterhielten.