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  08.09.2009, 16:46    

E-Books: Frankreich stichelt gegen Google

Im Streit um die Digitalisierung von Büchern schlägt sich Frankreich auf die Seite der Bundesregierung. Doch beiden läuft die Zeit davon, bis das Monopol zementiert wäre.

von Andrea Rungg, Hamburg
Das französische Kulturministerium erhebt vor dem New Yorker Gericht ebenfalls Einspruch gegen einen vereinbarten Vergleich zwischen dem Internetkonzern und US-Autoren- und Verlegerverbänden. "Durch den Vergleich wird Google  das Monopol erlangen, nicht mehr lieferbare europäische Bücher oder Werke unbekannter Rechteinhaber zu digitalisieren", sagte Nicolas Georges, Direktor für Bücher und Bibliotheken im französischen Kulturministerium, der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Diskussion um Googles Digitalisierung von Büchern ist in der entscheidenden Phase. Bis Dienstag können betroffene Verlage, Autoren und dritte Parteien gegen einen vereinbarten Vergleich zwischen dem Internetkonzern und US-Autoren- und Verlegerverbänden Einspruch erheben. Die französische Regierung ist nach der Bundesregierung erst die zweite ausländische Administration, die sich gegen Google offiziell zur Wehr setzt. Zugleich wettern auch Googles Rivalen wie Microsoft , Yahoo  und Amazon  gegen den Vergleich. Am 7. Oktober findet vor einem New Yorker Gericht ein sogenanntes Fairness-Hearing statt, das über den Bestand des Vergleichs urteilt.
Google hatte 2004 für eine eigene Buchsuche begonnen, in US-Bibliotheken Bücher zu scannen. Der Internetkonzern versäumt es jedoch, zuvor Autoren und Verlage zu fragen. Daraufhin gab es 2005 eine Klagewelle, aus der sich Google mit einem Vergleich rettete. Der Internetkonzern verpflichtet sich darin, Autoren für jedes bis Anfang dieses Jahres digitalisierte Buch 60 $ zu zahlen. Außerdem können Autoren aus dem Vertrag aussteigen. Die entsprechende Erklärung muss bis Diesnstag erfolgen. Zusätzlich will Google Verlage und Autoren an Werbeerlösen durch platzierte Anzeigen neben den Suchergebnissen beteiligen. Insgesamt kostet der Vergleich Google mindestens 125 Mio. $. Ausländische Autoren sind von dem Vergleich betroffen, weil er sich auf eine ganze Berufsgruppe bezieht.
Weltweit hat Google in den vergangenen Jahren bereits zehn ...   Weltweit hat Google in den vergangenen Jahren bereits zehn Millionen Bücher digitalisiert.
Kritiker des Vergleichs befürchten vor allem ein Monopol seitens Googles. Sie glauben, dass die Urheberrechte von Millionen Büchern künftig allein bei Google liegen, sofern Autoren ihre Ansprüche nicht geltend machen. Dies trifft vor allem auf Bücher zu, die nicht mehr lieferbar sind und deren Rechteinhaber unbekannt oder nicht auffindbar sind - sogenannte verwaiste Bücher. Google könnte dann für den Zugang zu den Büchern Gebühren verlangen. Daher fordern vor allem Wettbewerber eine faire Lösung.
In einer Anhörung der Kommission wiederholten am Montag europäische Buchverbände die Kritik am Vergleich und forderten die EU Kommission zum Einschreiten in New York auf.
Die hat sich allerdings anderen Plänen verschrieben. Nach einem Treffen mit Experten forderten EU-Medienkommissarin Viviane Reding und Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy die EU-Mitgliedstaaten auf, die eigenen Digitalisierungsbemühungen zu forcieren. "Wenn wir zu langsam digital werden, könnte die Kultur Europas in Zukunft darunter leiden", hieß es am Montag in Brüssel in einer gemeinsamen Mitteilung. Bislang sei nur ein Prozent der Bücher in Europas Nationalbibliotheken digitalisiert. Zugleich teilten beide Kommissare mit, dass sie das Urheberrecht neu regeln wollen.
Es solle ein einheitliches europäisches Urheberrecht geben. Wie genau es aussehen soll, teilten sie nicht mit. Kritiker werfen vor allem EU-Kommissarin Reding allzu große Sympathien für Google vor. Allerdings hieß es aus ihrem Umfeld, dass ein gemeines Urheberrecht besser für ein Vorgehen gegen Unternehmen wie Google sei. Google wiederum begrüßte die Entscheidung der Kommissare. "Mit einer einheitlichen, EU-weiten Lösung könnten wir unserer Dienste besser anbieten", sagte ein Sprecher des Konzerns.
  • Aus der FTD vom 09.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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