Für rund 1,7 Mrd. Euro (3,3 Mrd DM) sicherte sich EM.TV im Frühjahr nach monatelangen Verhandlungen 50 Prozent der Anteile an der Holding-Gesellschaft SLEC, die sämtliche Rechte an der Formel 1 hält. Angesichts der finanziellen Probleme bei EM.TV wird jetzt knapp die Hälfte des Pakets für 550 Mio. $ (1,2 Mrd DM) an die Kirch-Gruppe weitergereicht. Rein rechnerisch ist das für EM.TV klar ein Minusgeschäft.
Auch der Kaufpreis von mehr als 1,3 Mrd. DM für den Muppetshow-Produzenten Jim Henson war unter Beobachtern nicht unumstritten. Die Muppetshow habe ihre Glanzzeit hinter sich, meinten Branchenkenner. Zudem schrieb Jim Henson vor Steuern und Zinsen in den ersten neun Monaten 2000 einen Verlust in Höhe von 8,4 Mio. DM. Der Umsatz lag bei 116 Mio. DM. Die dritte große Beteiligung, die Tele München Gruppe, schrieb dagegen schwarze Zahlen. EM.TV war 1999 mit 45 Prozent bei der Gruppe des Münchner Medienunternehmers Herbert Kloiber eingestiegen.
Nach Einschätzung von Analysten könnte aber insbesondere das Motorsport-Engagement EM.TV überfordert haben. EM.TV verwies im Frühjahr noch auf das immense Potenzial des Motorsport-Zirkus. Die Formel 1 sei mit 4,5 Milliarden Zuschauern im vergangenen Jahr das bekannteste sowie lukrativste Sport- und Entertainment-Ereignis der Welt. EM.TV zahlte 712,5 Mio. $ in bar und etwa zehn Millionen eigene Aktien. Dem Vernehmen nach behielt aber Formel 1- Impressario Bernie Ecclestone alle Fäden in der Hand. EM.TV sei von ihm als Partner nicht recht ernst genommen worden, hieß es in Branchenkreisen.
Für Kirch ist der Einstieg in die Formel 1 nicht nur wegen seiner Abspielkanäle (ProSieben, Premiere World, DSF) hochinteressant. Das Motorsportgeschäft ist zudem lukrativ. In den ersten neun Monaten kam die SLEC auf ein Ebit von 428,1 Mio. DM bei einem Umsatz von 887,2 Mio. DM.
Unklar ist noch, wie in Zukunft die Machtverhältnisse in der Formel 1 geregelt sind. Ecclestone hatte sich bei dem Geschäft mit EM.TV eine Option zugesichert. Für geschätzte knapp eine Mrd. $ kann er demnach EM.TV weitere 25 Prozent an der SLEC verkaufen. Auch die Rennteams sind an einer Beteiligung interessiert.