Vente-privee-Chef Jacques-Antoine Granjon im FTD-Interview: "Sie können den Aufstieg nie ohne Pause schaffen"
Wer in der Firmenzentrale einen Kleiderhaken sucht, muss nach kleinen, versilberten Totenköpfen Ausschau halten. Granjon hat ohne Zweifel einen Hang zur Extravaganz. Der Franzose betreibt mit Vente-privee eines der wenigen Internetunternehmen in Europa, das auch in den USA Nachahmer findet und zeitweise als Übernahmekandidat galt. Amazon soll Granjon vor einem Jahr rund 3 Mrd. Dollar geboten haben. Der Manager hat Outlet-Shopping im Internet salonfähig gemacht und liefert in 15 europäische Länder. Während Luxuskonzerne ihre überschüssige Ware ungern im Internet verramscht sehen, bietet Granjon ihnen eine exklusive Plattform. Die Ware gibt es für die 11,5 Millionen registrierten Kunden nur für kurze Zeit. Designerhandtaschen, Schmuck, Kleider, Anzüge werden aufwendig in Szene gesetzt. Rund 40.000 Euro kostet Vente-privee jede Verkaufsaktion.
Über Jahre ging es für das Unternehmen bergauf. Nun könnte man eine erste Krise heraufbeschwören. Erstmals nach Jahren des hohen zweistelligen Wachstums rechnet das Unternehmen in diesem Jahr nur mit mageren drei Prozent und einem Umsatz von rund 700 Mio. Euro. Doch Granjon will nichts von Krise wissen und sich schon gar nicht an die Anfang des Jahres prognostizierten 850 Mio. Euro Umsatz erinnern. "Ich habe bereits zu Beginn des Jahres gesagt: Wir sind zuletzt zum Mond gegangen. Nun machen wir eine Pause und dann gehen wir zum Mars", sagt er im Gespräch mit der FTD. Er müsse das Wachstum unter Kontrolle bekommen, Hunderte neue Mitarbeiter eingliedern, gibt er zu. Mittlerweile beschäftigt er 1500 Angestellte, allein in den vergangenen zwei Jahren kamen 650 hinzu. "Es ist wie beim Aufstieg zum Mount Everest. Als Sherpa führe ich alle von Station zu Station. Sie können den Aufstieg nie ohne Pause schaffen", sagt Granjon.