Das Eingangsportal des Axel-Springer-Gebäudes in Berlin
Die "Bild"-Zeitung hatte lange Zeit keine Gegner mehr, daher hat sie welche erfunden. Den "Bund der bestechlichen Schiedsrichter" oder den "Bund der korrupten Politiker". Beide zieren eine Werbung, die zeigen soll, dass nur böse Leute gegen "Bild" sind. Seit allerdings im Zuge der Fernsehpläne des Springer-Verlags wieder mehr über die Macht von "Bild" diskutiert wird gibt es außer ausgedachten Vereinigungen doch wieder ein paar Publizisten, Politiker und Prominente, die bei dem auflagenstarken Boulevardblatt "Bild" genauer hinschauen.
Da gehen auf der Website Bildblog.de täglich Rechercheure mutmaßlichen journalistischen Fehlleistungen der Zeitung nach. Gleichzeitig muss "Bild" häufiger Gegendarstellungen abdrucken, in denen sich Opfer ihrer Berichterstattung wehren.
Nicht wehren konnte sich Susanne Osthoff, die Terroristen im Irak in ihrer Gewalt haben. Sie füllte am Mittwoch den "Bild"-Titel mit der Frage "Wird sie geköpft"? Das empörte viele, vom Münchner Diözesanrat bis zu "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann, der in einem Online-Kommentar Springer-Chef Mathias Döpfner und Hauptaktionärin Friede Springer persönlich für die "Schweinephantasien" verantwortlich machte. Der Presserat zählte bereits sechs Beschwerden.
Man habe nicht verletzen wollen, sondern in der "Sprache der Wahrheit" das Verbrechen schildern, verteidigte ein Springer-Sprecher die Zeile. Bislang hat es den Verlag kalt gelassen, dass heftiger über die journalistischen Standards seiner größten Zeitung debattiert wird. Doch Polemiken wie von Naumann zeigen, dass "Bild" für Springer zum Problem werden kann - und das in einer Zeit, in der sich der Konzern von seiner besten Seite zeigen muss, um die Fusion mit Pro Sieben Sat 1 genehmigt zu bekommen.