WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach gehe davon aus, "dass wir Ende 2009 im regionalen Bereich das eine oder andere akquiriert haben", sagte er am Freitag. "Wir sind daran interessiert, uns breiter aufzustellen."
Mit ihrer Ankündigung versuchen Hombach und sein Co-Geschäftsführer Christian Nienhaus den Verlag ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") wieder als führende Kraft bei der Konsolidierung des Zeitungsmarkts zu positionieren. Denn die Essener kommen hierzulande - trotz zahlreicher Verhandlungen - bislang mit ihren Expansionsplänen nicht voran.
Zwar kaufte die
WAZ Anfang 2007 die "Braunschweiger Zeitung". Im Rennen um die "Süddeutsche Zeitung" unterlag die Mediengruppe Anfang vergangenen Jahres aber dem Rivalen SWMH aus Stuttgart. Gespräche mit dem Holtzbrinck-Verlag über eine engere Zusammenarbeit bei Regionaltiteln sind bislang im Sande verlaufen. Für die deutschen Titel des britischen Medieninvestors David Montgomery ("Berliner Zeitung"), die Anfang Januar an DuMont Schauberg gingen, hatte die WAZ gar nicht mitgeboten. Der Kölner Rivale DuMont hat die WAZ damit von Platz drei der größten deutschen Verlagsgruppen verdrängt. "Wir sind sicher etwas vorsichtiger als andere Häuser", so Hombach.
Interesse wird der WAZ am Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag nachgesagt, der seit Monaten einen möglichen Verkauf sondiert - Ausgang ungewiss. Der Axel Springer Konzern verhandelt über den Verkauf einer Reihe von Regionalbeteiligungen, etwa an der "Leipziger Volkszeitung". Dort gilt die Hannoveraner Verlagsgruppe Madsack als Favorit.
Bislang beschränkt sich die WAZ-Expansion vor allem auf das Ausland. In Russland betreibt das Verlagshaus unter anderem zwei Wochenzeitungen. Als Wachstumsmarkt gilt zudem Vietnam.
In Deutschland regiert hingegen der Rotstift. Angesichts der Einbrüche im Anzeigengeschäft, unter denen die gesamte Branche leidet, will die WAZ bei ihren Titeln im Ruhrgebiet rund 30 Mio. Euro sparen. Rund 275 der 900 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Nienhaus verwies auf "extrem vernünftige und diskussionswürdige Vorschläge des Betriebsrats", die in die laufenden Planungen einfließen sollen. Die Geschäftsentwicklung der WAZ Gruppe hat sich zuletzt verschlechtert. Bislang rechneten die Essener für 2008 bei ihren Ruhrgebietstiteln mit rund 11 Mio. Euro Verlust. "Die Hochrechnung basierte auf Zahlen bis November. Der Dezember ist noch schlechter gewesen. Deshalb sind die Zahlen sicher nicht besser geworden", sagte Nienhaus.