Der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 pumpt einen dreistelligen Millionenbetrag in Hollywood-Filme. Die Münchner unterschrieben diese Woche einen umfassenden Filmrechtedeal mit dem US-Studio Paramount. Das sagte Chef-Filmeinkäufer Rüdiger Böss der FTD. Die Sendergruppe sichert sich damit die Ausstrahlungsrechte an geplanten, aber bislang noch nicht gedrehten Großproduktionen wie "Top Gun 2" und dem nächsten "Star Trek"-Film sowie dauerhaften Zugriff auf ältere Paramount-Streifen wie die "Indiana Jones"- und "Beverly Hills Cop"-Filmreihen.
Der Deal bringt vor allem für den schwer angeschlagenen größten Sender der Gruppe, Sat 1, wichtige Entlastung. Erst am Dienstag hatte der Konzern nach schwachen Einschaltquoten den Abgang von Senderchef Joachim Kosack verkündet. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Sat 1 im Juli mit 9,1 Prozent Marktanteil bei Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren einen der schlechtesten Monate aller Zeiten erlebt hat. Wenn Konzernchef Thomas Ebeling diesen Donnerstag die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr vorstellt, zeigt sich, wie stark der Zuschauerschwund auf die Werbeeinnahmen drückt. Pro Sieben Sat 1 macht 70 Prozent seines Umsatzes mit TV-Werbung auf seinen deutschsprachigen Sendern. Sat 1 trägt dazu den größten Teil bei.
Die Münchner haben bereits seit Jahren einen Lizenzdeal mit Paramount. Das Beispiel des Pay-TV-Anbieters Sky zeigt aber, dass die Verlängerung solcher Verträge kein Selbstläufer ist: Sky konnte sich zum Jahreswechsel mit Paramount nicht auf einen Preis einigen und musste seine Kunden wenige Stunden vor Weihnachten über Abstriche beim Filmprogramm informieren. Pro Sieben Sat 1 verlor im Frühjahr einen wichtigen Vertrag mit Disney an den Konkurrenten RTL . Disney-Filme gehörten auf Sat 1 zuletzt zu den Quotengaranten.
Pro Sieben Sat 1 machte zu Kaufpreis und Laufzeit des neuen Vertrags keine Angaben. Das Unternehmen hatte bereits 2002 für einen vergleichbaren Deal 500 Mio. Dollar bezahlt. Der neue Vertrag läuft mit über drei Jahren deutlich länger als sonst üblich, sagte Filmeinkäufer Böss.
Die Münchner kaufen auch deshalb besonders aggressiv in Hollywood ein, weil sie bei billigen Eigenproduktionen deutlich schwächer als die Konkurrenzsender der RTL-Gruppe aufgestellt sind. Sender wie RTL und RTL 2 erzielen hervorragende Quoten mit vergleichsweise kostengünstigen Dokusoap- und Scripted-Reality-Formaten wie "Berlin - Tag & Nacht" oder "Bauer sucht Frau". Sat 1 ist dagegen stärker auf beliebte, aber teure Filmklassiker angewiesen.
"Wir machen mit ,Beverly Hills Cop‘ mehr Quote als andere Sender mit mittelprächtig gemachten Realityshows. Der Film nützt sich nicht ab", meint Böss. Tatsächlich fährt vor allem Sat 1 mit Wiederholungen von Hollywood-Filmen aus den 1980er-Jahren regelmäßig Zuschauerzahlen weit über Senderschnitt ein. Bei insgesamt 49 Ausstrahlungen von "Indiana Jones"-Filmen seit 1992 holten die Sender Pro Sieben und Sat 1 im Schnitt einen Marktanteil von 18,9 Prozent - trotz der Konkurrenz durch billige DVDs und Onlineangebote.
"Es ist ein Phänomen. Die Leute können das mittlerweile überall anschauen, auf DVD oder im Netz, aber sie machen es bei uns", so Böss. "Sie mögen das Gefühl: Ich komme heim, knipse den Fernseher an, entspanne mich, und es läuft mein Lieblingsfilm." Der Filmeinkäufer sagt: "Kinofilme sind weltweit betrachtet im deutschen Fernsehen nach wie vor das sicherste Geschäft."
Allerdings lässt sich mit ihnen nur schwer ein Senderprofil formen, das Zuschauer dauerhaft bindet. Das geht nur mit riskanten Eigenproduktionen. Im Herbst will Sat 1 mehr wagen. Dann starten gleich vier neue selbst produzierte TV-Serien.