Auf dem von Pro Sieben Sat 1 und RTL geplanten Onlineportal sollen Nutzer kostenlos Nachrichtensendungen, Serienfolgen, Filme und Shows abrufen können - bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung im TV. Entsprechende Pläne legen die beiden Privatsender nach FTD-Informationen am Freitag zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung der EU-Kommission vor.
Das neue Angebot soll dem US-Videoportal Hulu ähneln. Mit dem gemeinsamen Projekt reagieren die beiden führenden deutschen Privatsender auf die zunehmende Verschmelzung von Internet und TV. Immer mehr Nutzer wollen ihre Lieblingssendungen im Netz anschauen, ohne sich an feste Sendezeiten halten zu müssen.
Und dafür brauchen sie immer seltener einen Computer: Laut Branchenverband Bitkom verfügt fast ein Drittel der derzeit verkauften Flachbildfernseher über Internetzugang. Wenn der Onlinekonzern Google in Kürze sein Angebot Google TV startet, das klassisches Fernsehen und Videoangebote im Internet verknüpfen soll, wird der Trend noch an Fahrt gewinnen.
Die neue werbefinanzierte Onlineplattform soll allen interessierten Sendern in Deutschland und Österreich offenstehen, ausdrücklich auch den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Pro Sieben Sat 1 und die RTL-Digitaltochter RTL Interactive gründen dafür eine Gemeinschaftsfirma, die als technischer Dienstleister fungiert.
Die deutsche TV-Branche betritt mit dem Aufbau einer senderübergreifenden Zentral-Mediathek neues Terrain. Bislang haben Privatsender wie Öffentlich-Rechtliche unabhängig voneinander Onlinevideoportale aufgebaut. Einige Angebote wie RTL now oder das Pro-Sieben-Sat-1-Pendant Maxdome setzen dabei vor allem auf Bezahlangebote, andere auf gratis abrufbare TV-Sendungen. Die diversen Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Anstalten bündeln gebührenfinanzierte Programme.
Dieser Wirrwarr soll die geplante Plattform mildern. Es entstehe erstmalig die Möglichkeit, "TV-Inhalte zeitversetzt über eine zentrale und übersichtliche Internetplattform abzurufen", sagte ein Beteiligter. Die Plattform werde den Wettbewerb stärken und solle dazu beitragen, "die teilnehmenden TV-Sender im Wettbewerb mit internationalen Internetangeboten gut aufzustellen".
Die von den US-Medienkonzernen News Corp. , NBC Universal und Disney betriebene TV-Plattform Hulu etwa strebt seit Langem nach Europa - scheiterte zuletzt allerdings mit dem Versuch, in Großbritannien Fuß zu fassen.
Teil 2: Mehr als eine simple Hulu-Kopie