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Merken   Drucken   25.09.2008, 10:19 Schriftgröße: AAA

Geschäfte im Netz: WAZ-Chef räumt Nachholbedarf ein

Zeitungsriese, aber Online-Nachzügler: Der Essener WAZ-Gruppe fehlt eine schlüssige Internetstrategie. Das gibt der neue Chef im FTD-Gespräch zu. Aber auch an Google hat er einiges auszusetzen.
von Jennifer Lachman (Essen)

"Im Onlinebereich bohren wir alle noch nach Öl, und bislang ist noch keiner auf die große Ölquelle gestoßen", sagte Nienhaus im FTD-Gespräch. Auch seinem eigenem Haus attestierte der Manager im Internet "ganz klar Nachholbedarf": "Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Axel Springer haben wir noch nichts Großes, Spektakuläres gemacht", sagte er - räumte aber zugleich ein: "Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, wird sich jetzt noch herausstellen."

Seit Juli leitet Nienhaus - der von Springer kam - mit Bodo Hombach die WAZ-Gruppe. Die neue Doppelspitze aus dem Ex-Politiker Hombach und dem erfahrenen Medienmanager Nienhaus soll die Reform der Gruppe vorantreiben. Differenzen zwischen den Inhaberfamilien Brost und Funke hatten in der Vergangenheit wiederholt wichtige Expansionspläne verhindert - etwa den geplanten Kauf des Süddeutschen Verlags oder den Einstieg bei dem Sender Pro Sieben Sat 1.

WAZ-Chef Christian Nienhaus   WAZ-Chef Christian Nienhaus

Mit einem Umsatz von 1,7 Mrd. Euro (2006) ist der Essener Konzern der drittgröße deutsche Zeitungsverlag. Er gibt Regionalzeitungen ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") sowie Zeitschriften ("Gong") heraus. Zudem ist die Gruppe an lokalen Radio- und Fernsehsendern beteiligt und auch im Ausland aktiv: So verlegt sie etwa in Österreich gemeinsam mit Hans Dichand die "Kronen Zeitung".

Nun müssen die Essener neue Erlösquellen auftun: "Das Geschäft in Nordrhein-Westfalen, das lange Zeit der Kern der WAZ-Gruppe war, erlebt eine Schwächeperiode", sagte Nienhaus. Die Auflagen klassischer Zeitungen sind rückläufig, in wirtschaftlich schwachen Regionen wie dem Ruhrgebiet wird dieser Trend noch verstärkt. So ist die tägliche Auflage des Flaggschiffs "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" in den vergangenen zwei Jahren um rund 60.000 auf 876.000 Stück zurückgegangen.

Dennoch gilt die WAZ als Onlinenachzügler: Während Axel Springer unter anderem das Frauenportal Aufeminin.com kaufte und Holtzbrinck sich mit dem virtuellen Netzwerk StudiVZ stärkte, beschränkt sich der Konzern weitgehend darauf, seine Marken ins Netz zu bringen. Im Oktober 2007 startete der Verlag das Regionalportal Der Westen - und sorgte vor allem deswegen für Aufsehen, weil der Verlag als erster mit dem öffentlich-rechtlichen WDR kooperierte. Inzwischen verzeichnet die Seite monatlich 42 Millionen Page-Impressions.

Ungewöhnlich offen gab Nienhaus zu, was viele seiner Kollegen nur hinter vorgehaltener Hand sagen: "Ich weiß nicht genau, wohin das Internet sich entwickelt", sagte er. "Diejenigen, die behaupten, es zu wissen, müssten, wenn sie recht behalten, in fünf Jahren alle Milliardäre sein." Wichtige, naheliegende Geschäftsmodelle hätten die Verleger alle verpasst: "So haben wir die Onlineportale für Auto-, Immobilien-, und Stellenanzeigen zunächst anderen überlassen." Und: "Die Zeiten, in denen man glaubte, im Netz für seine Inhalte Geld verlangen zu können, sind vorbei."

Teil 2: Zweifel am Geschäftsmodell von Google

  • Aus der FTD vom 25.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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